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Die Sorge um die Zukunft der Bücherstube ist groß, in der Debatte melden sich Politik, Vereine und Bürgerinnen und Bürger teils heftig zu Wort. Gleichzeitig betont Bürgermeister Simon Panke und mit ihm die SPD: Von einer Schließung könne keine Rede sein.

Ausgangspunkt der Debatte ist die finanzielle Notlage der Stadt. Um Geld zu sparen, kündigte die Verwaltung den Mietvertrag für die Bücherstube im Ledigenheim. Zum 31. Dezember muss sie die Räume verlassen. Die Bücherstube verfügt über rund 17.000 Medien, etwa zehn Prozent davon in türkischer Sprache.

„Katastrophe“ für Lohberg

Besonders deutlich äußerte sich die frühere Leiterin der Stadtbibliothek, Edith Mendel, gegenüber der NRZ. Sie hängt mit ganzem Herzen an der Einrichtung, denn sie hat sie vor mehr als 40 Jahren mit aufgebaut. „Das ist mein Kind“, sagte sie einmal im Gespräch mit Mittendrin.

Entsprechend hart nun ihre Kritik: Sie spricht von einer „Katastrophe für den Stadtteil“. Mit der Bücherstube stehe ein über Jahrzehnte gewachsener Ort für Leseförderung, Integration und Begegnung zur Disposition.

Drastisch zugespitzt auch die Kritik des früheren stellvertretenden Bürgermeisters Eyüp Yildiz, inzwischen beim Bündnis Sahra Wagenknecht: Auf Facebook stellt er die Einsparungen bei der Bücherstube den Verteidigungsausgaben des Bundes gegenüber. Und schreibt: „Ein Land, das bei Bücherstuben spart und zugleich Milliarden in Militär und Aufrüstung lenkt, verteidigt nicht seine Zukunft. Es legt sie aus der Hand…“

Widerspruch im Rat

Auch Rot-Weiß Selimiyespor Lohberg hat sich in die Debatte eingeschaltet. Der Verein spricht sich auf Facebook für den Erhalt der Bücherstube aus, erkennt aber die schwierige Haushaltslage der Stadt ausdrücklich an. Bildung sei keine gewöhnliche Ausgabe, sondern eine Investition in die Zukunft, so RWS. Der Verein regt Kooperationen mit Schulen, Kitas, Vereinen, Ehrenamt oder Fördervereinen an und bietet an, sich an einem offenen Dialog zu beteiligen.

Bürgermeister Simon Panke (SPD) widersprach in der Ratssitzung jedoch in aller Deutlichkeit der Darstellung, die Bücherstube werde einfach geschlossen. Noch sei außer der Kündigung des Mietvertrags nichts passiert. Vielmehr habe die Verwaltung den Auftrag, nach einer Möglichkeit zu suchen, die Bücherstube an anderer Stelle unterzubringen, möglichst in einem städtischen Gebäude, für das keine Miete gezahlt werden müsse. Bis Ende des Jahres bleibe Zeit, eine Lösung zu finden.

Klarheit nach dem Sommer

Auch die SPD Fraktion aus Dinslaken betont in einer Stellungnahme, Ziel sei eine tragfähige Alternative. Gleichzeitig müsse die Stadt wegen der Haushaltssicherung ehrlich mit ihrer finanziellen Lage umgehen. Die SPD kündigt an, genau darauf zu achten, dass ein neues Konzept kein „Etikettenschwindel“ wird.

Am 2. Juni 1980 eröffnete die Bücherstube in einem Wohnhaus auf der Lohbergstraße. Schnell wurde sie zum überregionalen Vorbild. Foto: Stadt Dinslaken

Entscheidend wird deshalb die Zeit nach den Sommerferien. Dann soll die Verwaltung dem Rat ihre Vorschläge für mögliche Alternativen vorlegen. Erst dann wird sich zeigen, in welchem Rahmen die Bücherstube in Lohberg weitergeführt werden kann – und ob dabei mehr erhalten bleibt als der reine Bücherbestand. Viele sorgen sich, dass das verlorengeht, was die Bücherstube auszeichnet: persönliche Beratung, gute Erreichbarkeit, Angebote für Kinder und Familien.

Zahlreiche Kommentare

Die Kommentare auf unseren Kanälen zeigen, wie emotional das Thema ist. Viele Nutzer bringen Traurigkeit, Wut und Unverständnis zum Ausdruck. „Ich war schon als Kind gerne bei euch“, so eine Nutzerin. Heute besuche ihr Sohn die Bücherstube bereits in dritter Generation. Andere hoffen auf eine neue Lösung in Lohberg oder warnen: „Wer an Bildung spart, spart an der Zukunft.“

Und immer wieder taucht die Sorge auf, dass einseitig bei elementaren Angeboten für Kinder, Jugendliche, Bildung, Kultur und Vereine gespart wird. Viele haben sich daher an der Petition angeschlossen, die den Erhalt der Bücherstube einfordert. Am 17. Juli haben 883 Menschen unterschrieben.

Mit der Haushaltsmisere war von Anfang an klar, dass Politik und Verwaltung überaus schmerzhafte Entscheidungen treffen müssen. Die Frage ist nun, ob eine Lösung gelingt, die Kosten senkt – und trotzdem den Kern der Bücherstube erhält.

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