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Die Kündigung des Mietvertrags für die Bücherstube Lohberg stößt auf Widerstand. Am Donnerstag haben zwei Mütter eine Petition gestartet. Und stoßen damit auf beachtliche Resonanz.

„Wir waren traurig und beunruhigt“, erzählt Jennifer im Gespräch mit Mittendrin. Ihre Mitstreiterin Linda lernte sie erst am vergangenen Dienstag beim Besuch der Bücherstube kennen. Die beiden beschlossen spontan, dass sie etwas gegen die Schließung unternehmen wollten.

Gesagt, getan: Seit Donnerstag ist die Unterschriftenaktion online. Zwei Tage später, am 2. Juli, ging die Petition online, verbreitete sich in örtlichen Gruppen und Netzwerken. Man kann zuschauen, wie die Zahl der Unterstützer wächst: Bis Freitagabend, 22.46 Uhr, haben 575 Menschen unterschrieben und sich damit den Forderungen der beiden Mütter angeschlossen.

„Die Bücherstube muss offen bleiben“

Die Petition fordert, die Schließung der Bücherstube noch einmal zu überprüfen. Im Aufruf heißt es:

Der Zugang zu Büchern – auch mehrsprachig (hier auch auf Türkisch) darf kein Privileg werden. Stadtteilbibliotheken sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Bildungssystems. Sie ermöglichen den Menschen vor Ort auch bei eingeschränkter Mobilität Teilhabe, Chancen und Bildung. 

Liebe Politiker*innen, erzählt nicht länger von Chancengleichheit und schiebt dann schon ganz unten den Riegel vor! 


Die Bücherstube muss offen bleiben – für alle! 

Die Unterschriften sollen im Anschluss an Bürgermeister Simon Panke übergeben werden. Linda hat ihn bereits persönlich dazu angeschrieben. Im Mittendrin-Interview hatte der Bürgermeister noch im Februar die Hoffnung geäußert, den Bücherbestand in Lohberg halten zu können, etwa in Zusammenarbeit mit der Caritas im Jugendzentrum. Bislang existieren jedoch nach allem, was wir wissen, weder eine verbindliche Vereinbarung noch ein fertiges Konzept. Die Zukunft der Bücherstube ist also nicht gesichert.

Mitmachen online

Solltet ihr bei der Petition mitmachen wollen: >>Folgt einfach diesem Link zur Webseite weact-campact.de, auf der die Unterschriften gesammelt werden.

Am 2. Juni 1980 eröffnete die Bücherstube in einem Wohnhaus auf der Lohbergstraße. Schnell wurde sie zum überregionalen Vorbild. Foto: Stadt Dinslaken

Jennifer kommt mit ihrer inzwischen fünfjährigen Tochter schon seit Jahren regelmäßig nach Lohberg in die Bücherstube. Auf die Frage nach dem Warum gerät sie regelrecht ins Schwärmen: „Das ist einfach ein Wohlfühlort mit familiärer, einladender Atmosphäre“, sagt sie. „Und dann ist da einfach ein tolles Angebot für Kinder, sie können dort lesen, spielen, malen und kommen gut runter. Für meine Tochter ist die Bücherstube wie ein zweites Wohnzimmer.“

Lob für die Beschäftigten

Linda, die 2023 nach Dinslaken zog, fand über die „Buchwürmchen“ zur Bücherstube. Dabei sammeln Babys und Kleinkinder erste Erfahrungen mit Büchern, alles durch eine pädagogische Fachkraft begleitet. Auch die Eltern werden dabei mitgenommen. Für Lindas Familie wurde die Bücherstube so schnell zu einem Ort der Begegnung. „Dort haben wir nach unserem Umzug erste Kontakte geknüpft“, erzählt sie.

Unabhängig voneinander sagen beide, die die Bücherstube sei für ihre Töchter wie ein „zweites Wohnzimmer“. Im Gegensatz zur großen, manchmal wuseligen Stadtbibliothek könnten kleine Kinder sich dort deutlich besser orientieren und schnell zuhause fühlen. Auch die Mitarbeiterinnen der Bücherstube seien offen und mit ganzem Herzen bei der Sache. „Sie kennen hier fast jedes Kind mit Namen“, erzählt Jennifer.

Mit ihrer Petition wollen Linda und Jennifer aufzeigen, was verloren gehen würde: ein wohnortnaher Ort für Lesen, Sprachförderung, Begegnung und Integration. Beide hoffen nun auf möglichst viele weitere Unterschriften.

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