Seite wählen

Die Stadtverwaltung schlägt vor, die Bücherstube Lohberg aus dem Ledigenheim in das städtische Gebäude an der Hauerstraße 14 zu verlegen, direkt an der alten Johannesschule. Dort soll das Angebot auf deutlich kleinerer Fläche weitergeführt werden, überwiegend durch den Einsatz von Ehrenamtlichen.

Angedacht ist nach dem Vorschlag der Verwaltung zudem eine enge Zusammenarbeit mit dem Theater Halbe Treppe und dem Box- und Sportverein Dinslaken, beide direkt nebenan in den alten Räumen des früheren Schulgebäudes. Angeblich haben beide Einrichtungen reges Interesse daran bekundet. Ob dieser Ansatz für die Bücherstube weiter verfolgt werden soll, darüber entscheidet zunächst der Rat der Stadt Dinslaken. Vorher wird das Thema noch Anfang September im Kulturausschuss beraten.

Kündigung zum Jahresende

Ausgangspunkt ist – wie derzeit eigentlich immer – die Haushaltssicherung. Die Stadt muss Millionen sparen und ist zu schmerzhaften Kürzungen gezwungen. Welche das sein werden, muss die Politik entscheiden, der Rat.

Im März hatte dieser die Kürzungen beschlossen, zeitgleich aber die Verwaltung beauftragt zu prüfen, wie das Angebot in Lohberg „kostenschonend und unter Erhalt pädagogischer Angebote“ fortgeführt werden könnte. Den Mietvertrag für die bisherigen Räume im Ledigenheim hat die Stadt zum 31. Dezember 2026 gekündigt.

Die Sorge um die Zukunft der Bücherstube hatte in den vergangenen Monaten für deutliche Reaktionen im Stadtteil gesorgt. Anfang Juli wurden mehr als 800 Unterschriften für ihren Erhalt an Bürgermeister Simon Panke übergeben. In einem offenen Brief verlangte das Forum Lohberg anschließend unter anderem Klarheit darüber, welche pädagogischen Angebote, Kooperationen und personellen Ressourcen künftig erhalten bleiben sollen.

Sieben Varianten geprüft

Nach Angaben der Verwaltung wurden sieben Standorte beziehungsweise Modelle untersucht: zwei Kitas, die Gemeinschaftsgrundschule Lohberg, das Stadtteilbüro, Räume im Bereich Theater Halbe Treppe und Boxverein, die Hauerstraße 14 sowie eine Übertragung der Bücherstube an die Caritas. Die Verwaltung hat alle Varianten verworfen. Aus unterschiedlichen Gründen, darunter Platzmangel, hohe Umbaukosten , fehlender personeller Ressourcen oder organisatorischer Probleme. Im Detail könnt ihr die Vorlage der Verwaltung im Ratsinformationssystem nachlesen, hier direkt zum >>PDF.

Die Räume an der Hauserstraße – derzeit leerstehend

Auch eine Trägerschaft der Caritas wurde geprüft. Dafür setzt die Verwaltung jährliche Kosten von rund 105.000 Euro an. Weil damit das angestrebte Einsparziel aus ihrer Sicht nicht ausreichend erreicht würde, fiel auch dieses Modell durch. Im Interview mit Mittendrin hatte Bürgermeister Simon Panke noch hoffnungsvoll geklungen.

Ein Viertel der Fläche

Als einzige Empfehlung übrig bleibt nun die Hauerstraße 14. Manche werden die Räumlichkeiten noch aus der Zeit kennen, als der Kinderschutzbund dort Büros hatte. Im Erdgeschoss stehen laut Vorlage rund 85 Quadratmeter einschließlich Sanitärbereich zur Verfügung. Zum Vergleich: Die bisherige Bücherstube nutzt rund 336 Quadratmeter (knapp viermal so viel) und verfügt über mehr als 17.000 physische Medien. Der Bestand müsste daher deutlich reduziert werden. Ein Teil soll in die Stadtbibliothek verlagert, ein weiterer Teil gegebenenfalls dem Kiloverkauf des Freundeskreises zugeführt werden.

Die Verwaltung verbindet den Standort mit der Idee einer engeren Kooperation mit dem benachbarten Theater Halbe Treppe und dem Box- und Sportverein. Ein früherer Durchgang zwischen den Gebäudeteilen könnte wieder geöffnet werden. Daraus könnten nach Vorstellung der Verwaltung gemeinsame pädagogische, kulturelle und sportliche Angebote entstehen. Wie diese Zusammenarbeit konkret organisiert würde, bleibt offen.

Weniger Personal, mehr Ehrenamt

Ein wesentlicher Bestandteil des Vorschlags ist die veränderte Personalstruktur. Bislang kalkuliert die Stadt für die Bücherstube mit 1,5 Vollzeitstellen beziehungsweise rund 90.000 Euro Personalkosten. Künftig soll der Betrieb stärker durch Ehrenamtliche getragen werden. Die Stadtbibliothek würde nach einer Übergangsphase noch Personal im Umfang von etwa 0,2 Vollzeitstellen einsetzen. Dafür veranschlagt die Verwaltung rund 12.000 Euro. Angeblich haben bereits einige Menschen Interesse daran signalisiert, diese Aufgabe im Ehrenamt zu übernehmen.

Sparposten: Städtisches Personal in der Bücherstube.

Sollte der Rat dem Vorschlag folgen, soll der Umzug nach Möglichkeit im November erfolgen. Noch zu klären sind unter anderem Fragen der Statik und die konkrete Ausstattung der Räume. Außerdem kündigt die Verwaltung ein Beteiligungsforum im Stadtteil an, bei dem über die künftige inhaltliche, organisatorische und technische Ausgestaltung der Bücherstube gesprochen werden soll. Zudem soll die Bücherstube dann einen neuen Namen bekommen, der den neuen Rahmen wiederspiegelt.

Beraten wird die Vorlage am 8. September im Kultur-, Partnerschafts- und Europaausschuss und am 28. September im Haupt- und Finanzausschuss. Der Rat soll am 6. Oktober entscheiden.

Forum Lohberg fordert Gesamtkonzept

Das Forum Lohberg fordert indes in einer Stellungnahme gegenüber die Stadt ein, die Zukunft der Bücherstube unbedingt zusammen mit der Entwicklung des Bildungsinnovationszentrums Marien-Lohberg, BIZM-L, zu betrachten, das ebenfalls auf der Kippe steht. Aus Sicht des Forums muss es ein Gesamtkonzept geben, das Sprach- und Bildungsförderung, Angebote für Kinder und Familien, Elternarbeit, Beratung und die Vernetzung der Einrichtungen zusammendenkt.

Das Forum fordert deshalb ein belastbares Gesamtkonzept für die Bildungs- und Sozialstruktur in Lohberg. Außerdem sollen nach seiner Vorstellung die beteiligten Träger und Einrichtungen an einen Tisch geholt, die bestehende Vernetzung gestärkt und die frühere Stadtteilrunde wiederbelebt werden. Zugleich verlangt der Verein, das geplante Auslaufen des BIZM-L noch einmal zu überprüfen.

Mehr dazu

Rotstift in Lohberg: Wie es für Schulsozialarbeit & BIZM-L weitergeht

Bücherstube Lohberg: 3 Schritte zur Rettung & offener Brief

Bücherstube: Viel Kritik und ein entscheidender Auftrag