
Brennende Aktualität im Jugendhilfe- und Schulausschuss der Stadt: Während du diesen Artikel liest, kämpft unser Stadtteil hinter den Kulissen um die Zukunft wichtigster Bildungs- und Kultureinrichtungen. Die finanzielle Schieflage von Dinslaken und das am 26. März 2026 beschlossene Haushaltssicherungskonzept (HSK) schlagen tiefe Wunden in Lohberg. Um das prognostizierte, strukturelle Jahresdefizit von über 50 Millionen Euro abzuwenden, wird ausgerechnet bei unseren Kindern der Rotstift angesetzt.
Statement von Jessica Steigerwald zur politischen Diskussion
Nach der richtungsweisenden Sitzung des Jugendhilfeausschusses (JHA) und des Schulausschusses am 13.07.2026 hat uns Jessica Steigerwald, Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Lohberg, ein exklusives und differenziertes Statement zur aktuellen Lage gegeben:
„Der bittere Tenor der Ausschusssitzung lässt sich leider so zusammenfassen: Hier wird der Mangel lediglich neu verteilt! Was uns da vorgelegt wurde, ist für die insgesamt 10 Grundschulen in Dinslaken absolut nicht ausreichend. Die Politik hat den gravierenden Mangel zwar im Grunde erkannt und sieht ein, dass wir eigentlich mehr Schulsozialarbeit bräuchten, auch die Verwaltung wünscht sich, weniger Einsparungen im Bildungsbereich aussprechen zu müssen – doch das Totschlagargument lautet wie immer: ‚Kein Geld‘.
Was wir jetzt dringend brauchen, ist ein städtisches Gesamtkonzept zur Kooperation und vor allem eine verpflichtende, frühzeitige Partizipation der Praxis! Ich bin fest davon überzeugt: Wenn wir Schulleitungen, Träger und auch die politischen Jugendsprecher frühzeitig mit ins Boot holen, können wir gemeinsam hervorragende Lösungen entwickeln, die am Ende tragfähig und akzeptierter sind. Grundschulen und weiterführende Schulen in Dinslaken sind im Vergleich zu anderen Kommunen bereits extrem stark vernetzt. Die gemeinsame Arbeit mit den Trägern der offenen Jugendhilfe funktioniert gut und es sind schon tragfähige Ergebnisse in Kooperation mit allen erarbeitet worden. Diesen Trumpf müssen wir nutzen!
Ein bloßes Verschieben von ohnehin schwer zu besetzenden Teilzeitstellen löst keine Probleme.
Ich spreche hier übrigens ausdrücklich nicht nur für Lohberg, sondern im Sinne aller Kinder in Dinslaken. Für unseren Stadtteil im Besonderen gilt jedoch: Wir müssen die Bücherstube, die Kinder- und Jugend-OT, die Kitas, die Schule und das BIZM-L endlich gemeinsam und als vernetzte Einheit und über den Stadtteil hinaus denken. Die inhaltliche Ausgestaltung kooperativer Konzepte unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Bedarfe ist für mich der einzige Weg, wie man in dem Mangel für die Kinder in Dinslaken noch Bildung und Kinderschutz gestalten kann und sollte.
Dass der JHA nun die verpflichtende Partizipation und die Einbindung der AG 78 (Arbeitsgemeinschaft nach § 78 SGB VIII) beschlossen hat, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Diesen Rückenwind müssen wir jetzt nutzen! Auf dieser Grundlage können wir dann hoffentlich zukünftig wieder mehr aufbauen, so dass alle Schulen wieder Schulsozialarbeit im ausreichenden Maße erhalten. Denn alles andere ist nicht zufriedenstellend und zielführend!“
Kürzungen bei der Schulsozialarbeit?
Die Fortschreibung des Haushaltssicherungskonzepts (Maßnahme Nr. 91) sieht vor, die Schulsozialarbeit im gesamten Stadtgebiet zusammenzustreichen und auf das reine Landesvolumen zu reduzieren.
Entgegen erster Befürchtungen fällt der kommunale Eigenanteil der Stadt dabei nicht komplett weg. Er entfällt nicht, sondern berechnet sich anteilig nach der tatsächlichen Fördersumme des Landes. Dennoch sind die realen Kürzungen vor Ort spürbar.
Dass diese Einsparungen ausgerechnet uns in Lohberg am härtesten treffen, ist kein Zufall, sondern eine schwere Belastung für die soziale Infrastruktur: Die Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Lohberg weist nach dem offiziellen Sozialindex des Landes NRW den mit Abstand höchsten Bedarf im gesamten Stadtgebiet auf.
Die bittere Realität: Nach den aktuellen Beratungsvorlagen (nachzulesen in der offiziellen Drucksache 231/2026 des RIS Dinslaken) soll die GGS Lohberg im Zuge der Neuverteilung ab dem Schuljahr 2026/27 mit einem mageren Stellenanteil von gerade einmal 0,5 bis maximal 0,83 Vollzeitäquivalenten (VZÄ) versorgt werden. Die Trägerschaft soll künftig über die Caritas laufen. In der Anlage dieser Drucksache befindet sich eine detaillierte Tabelle, in der alle 10 Grundschulen der Stadt Dinslaken mit ihren exakten zukünftigen VZÄ-Stellenanteilen aufgelistet sind.
Zukunft verbaut? Das drohende Aus für das BIZM-L
Nicht weniger umkämpft ist die Zukunft des BIZM-L (Bildungsinnovationszentrum Marien – Lohberg). Als feste Säule der sozialen Integration, der Sprachförderung und der familiären Unterstützung im Stadtteil steht das bewährte Projekt nun ebenfalls auf der offiziellen Streichliste des Haushaltsplanentwurfs 2026.
- Das Budget-Loch: Im Zuge der Konsolidierung fordert die Politik ab den kommenden Jahren drastische Budgetanpassungen.
- Die Summe: Eine jährliche Zielgröße von rund 130.000 Euro Einsparung steht hier im Raum.
- Die Konsequenz: Trotz einer exzellenten wissenschaftlichen Evaluation im vergangenen Jahr bedeutet dieser finanzielle Entzug für das BIZM-L womöglich das endgültige Aus. Ein herber Schlag für ein Projekt, das Kitas, Grundschule und Jugendeinrichtungen im Stadtteil so erfolgreich miteinander verzahnt. Den vollständigen Entwurf und alle Maßnahmenlisten findest du im offiziellen Haushaltsplanentwurf 2026 der Stadt Dinslaken.
Lohberg im Visier: Der Stadtteil und der HSK
Die geplanten Kürzungen bei der Schulsozialarbeit und dem BIZM-L sind leider keine Einzelfälle, sondern reihen sich ein in eine besorgniserregende Kette von Hiobsbotschaften für unseren Stadtteil. Wie wir bereits in unserem Hintergrund-Bericht zur Haushaltskonsolidierung in Lohberg beleuchtet haben, blutet die soziale Infrastruktur vor Ort schrittweise aus.
Die Sparwelle zieht immer weitere Kreise und betrifft längst auch andere wichtige Treffpunkte:
- Erst kürzlich mussten wir schweren Herzens darüber berichten, dass das Aus für unsere geliebte Bücherstube droht: Mietvertrag gekündigt: Was wird jetzt aus der Bücherstube?
- Und auch ein weiteres Leuchtturmprojekt unseres Viertels steht finanziell vor dem Abgrund, da essenzielle Fördergelder wegebrochen sind: Zechenwerkstatt Lohberg in Gefahr: Finanzielle Mittel sind weggefallen.
FAQ zum Rotstift bei Bildungsangeboten in Lohberg
Warum trifft die Kürzung der Schulsozialarbeit die GGS Lohberg besonders hart?
Weil jedes zweite Kind in Lohberg von Armut bedroht ist. Die GGS Lohberg weist im NRW-Sozialindex den höchsten Unterstützungsbedarf in Dinslaken auf. Eine Kürzung auf eine halbe Stelle (0,5 VZÄ) wird den enormen Herausforderungen vor Ort in keiner Weise gerecht.
Was ist das BIZM-L und warum ist es so wichtig?
Das BIZM-L (Bildungsinnovationszentrum Marien – Lohberg) ist ein einrichtungsübergreifendes Projekt in der GGS Lohberg. Es verbindet Kitas, Schule und Jugendzentren, um Kinder vor Armutsfolgen zu schützen – durch Sprachförderung, Übergangsbegleitung und ein interkulturelles Elterncafé. Trotz exzellenter Evaluation droht dem Projekt nun das Aus.
Wo kann ich mich über die genauen Einsparungen informieren?
Die konkreten Zahlen zur Schulsozialarbeit stehen in der Drucksache 231/2026. Die geplante Einsparung von 130.000 Euro beim BIZM-L ist im Haushaltsplanentwurf 2026 verankert. Beide Dokumente findest du im offiziellen Ratsinformationssystem (RIS) der Stadt Dinslaken.