Dunkle Wolken über der Zeche Lohberg: Die tiefe Finanzkrise in Dinslaken sorgt für große Unruhe. Nachdem die Stadt in das strenge Haushaltssicherungskonzept (HSK) gerutscht ist, herrscht nun bittere Gewissheit: Nach aktuellem Stand ist die Finanzierung der Sanierung akut gefährdet. Erfahre hier alle Fakten zur aktuellen Lage, wie sich die harte Realität von den einstigen Plänen unterscheidet und was das für deine Lieblingsevents bedeutet.
Zechenwerkstatt Lohberg: Vision vs. harte Realität

Ein Rückblick ins Jahr 2019 zeigt, wie ambitioniert die Pläne des Integrierten Handlungskonzepts einmal waren: Die Zechenwerkstatt sollte zu einem dauerhaften „Kultur- und Kreativitätszentrum“ für bis zu 2.000 Personen erblühen. Geplant waren Begegnungsstätten, Ateliers, Werkstätten und Gastronomie – ein echtes Herzstück für bürgerschaftliches Engagement. Getragen werden sollte das Vorhaben von der Freilicht AG, die sogar den Erwerb des Gebäudes vorbereitete. Eine umfassende, denkmalgerechte und energetische Sanierung der Gebäudehülle sollte durch Städtebaufördermittel gesichert werden.
Um diese Gelder geht es für die Zechenwerkstatt:
- 3,5 Millionen Euro (Landes-/Bundesmittel): Das Land NRW schüttete 2021 insgesamt 5,7 Millionen Euro an Fördergeldern für den gesamten Stadtteil Dinslaken-Lohberg aus. Exakt 3,5 Millionen Euro aus diesem Topf wurden speziell für die denkmalgerechte Sanierung der Außenhülle der Zechenwerkstatt bewilligt.
- 1,5 Millionen Euro: Die Stadt Dinslaken steuerte 1,5 Millionen Euro zu den Sanierungskosten der Außenhülle bei.
- 5 Millionen Euro (Gesamtfördersumme Gebäudehülle): Aus den 3,5 Millionen vom Land und den 1,5 Millionen von der Stadt ergab sich für die Sanierung von Dach und Fassade ein Förder-Gesamtbetrag in Höhe von 5 Millionen Euro.
- Eigenanteil (Innenausbau): Für den Innenausbau (Strom, Brandschutz, Licht, etc.) wurde zusätzlich ein hoher sechs- bis siebenstelliger kalkuliert, der komplett aus Eigenmitteln (und nicht aus Fördergeldern) gestemmt werden mussten.
Haushaltskrise bringt Sanierungspläne ins Wanken
Heute, im Jahr 2026, sieht die Realität leider anders aus: Das betrifft die 3,5 Millionen Euro von Bund und Land ebenso wie den städtischen Eigenanteil von 1,5 Millionen Euro.
Der Grund? Das strenge Haushaltssicherungskonzept (HSK) der Stadt und ein offenbar verpasster Stichtag. „Der städtische Anteil fällt definitiv weg. Ich bin jede Woche dazu im Austausch, um eine Lösung zu finden“, bestätigte Bürgermeister Simon Panke uns. Ob die 3,5 Millionen Euro aus Landes- und Bundesmitteln weiterhin abrufbar bleiben, ist derzeit unklar. Ein massiver Stresstest für das wichtigste Leuchtturmprojekt im Stadtteil!
Wer rettet die Zechenwerkstatt? Die neue Struktur

Um das Industriedenkmal zu bewahren, liegt das Ruder seit 2020 bei der „Zechenwerkstatt Denkmal gGmbH“ (gegründet durch Privatpersonen aus dem Kreis der Freilicht AG und die Stiftung Ledigenheim). Als ehrenamtlicher Geschäftsführer fungiert hier Dr. Hartmut Weddige von der Freilicht AG. Die Stadt Dinslaken kaufte die Halle im Jahr 2021 von der RAG und vergab einen Erbpachtvertrag über mindestens 66 Jahre. Damit sollte die Initiative langfristig Planungssicherheit erhalten.
Hinter dem Projekt stehen Akteure mit großer Erfahrung: Die Initialzündung kam von der Bürger-Aktiengesellschaft „Freilicht AG“, die sich bereits seit 1996 für kulturelle Vielfalt einsetzt und mit dem FANTASTIVAL bewiesen hat, wie man brachliegendes Potenzial hebt.
Gründung der neuen Kulturgesellschaft
Doch um angesichts der bürokratischen und finanziellen Hürden handlungsfähig zu bleiben, gab es 2025 einen strategischen Neuanfang:
- Trennung von Bau und Betrieb: Die „Denkmal gGmbH“ fokussiert sich rein auf die Steine, das kaputte Dach und die komplizierte Fördergeldabwicklung für die erste Bauphase sowie die Umsetzung weiterer Baumaßnahmen.
- Gründung der Kulturgesellschaft: Seit 2025 kümmert sich die frisch gegründete „Zechenwerkstatt Kultur gGmbH“ komplett um die Seele des Hauses.
Kultur in Lohberg: Lieblingsevents finden weiterhin statt

Gehen in der Zechenwerkstatt nun die Lichter aus? Klare Antwort: Nein! Der Clou an der neuen Doppelstruktur: Der gesamte Innenausbau und der Veranstaltungsbetrieb waren ohnehin nie Bestandteil der nun verfallenen staatlichen Fördergelder. Das bedeutet, dass die Kultur gGmbH ihre Events komplett aus Eigenmitteln, Spenden und ehrenamtlicher Power stemmt. Wie im Konzept von 2019 einst erträumt, bleibt die Halle somit ein lebendiger Treffpunkt und das kulturelle Herz schlägt weiter. Freu dich weiterhin auf:
- Die technische Ausstattung für Live-Events
- Beliebte Formate wie die Pop-up-Kneipe „Zum Glück Auf“
- Die stimmungsvolle Glühwerkstatt im Winter
- Das legendäre „Zechenbeben“
Engagierte Bürger sichern die kulturelle Vielfalt
Möglich machen das unter anderem die rund 1.200 Aktionärinnen und Aktionäre der Freilicht AG. Durch den Erwerb ihrer Anteile sichern sie das nötige Kapital für unabhängige Events und erhalten statt klassischer Gewinnausschüttungen pure Lebensqualität und lebendige Kultur direkt vor der eigenen Haustür.
Unterstützt werden sie von einem großen ehrenamtlichen Netzwerk: Etwa 70 Ehrenamtliche, die sich regelmäßig in der Zechenwerkstatt Lohberg einbringen – vom Veranstaltungsbetrieb über Aufbauarbeiten bis hin zu Werkstattformaten und Bürgerprojekten.
Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam und die leeren Kassen der Stadt bereiten Sorgen. Doch wenn du dich für die Zeche Lohberg begeisterst, gilt jetzt umso mehr: Besuche die Veranstaltungen oder bring dich direkt vor Ort ein!
Weiterführende Links:
- Details zum Haushaltssicherungskonzept findest du hier bei der Stadt Dinslaken.
- Aktuelle Events und Support-Möglichkeiten gibt es direkt bei der Zechenwerkstatt Lohberg.