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In Zeiten der Haushaltskrise steht viel infrage. Was heißt das für Lohberg? Themen gibt es genug. Hünxer Straße. Müll und Ratten. Geschwindigkeitskontrollen. Begegnungsangebote, genug Geld für die Stadtteilbibliothek und die Grundschule. Wir haben bei den Parteien im Stadtrat angefragt. Hier ihre Antworten im Überblick.

Bild: Wittek / Stadt Dinslaken

Das wollten wir wissen

Die Kommunalpolitik steht vor schweren Zeiten. Denn sie muss am Ende entscheiden, an welchen Stellen drastisch gespart werden soll. Dass die Folgen auch in Lohberg schmerzhaft zu spüren sein werden, steht außer Frage.

Darum haben wir im Januar eine Mail an alle Parteien geschrieben, die im Rat der Stadt Dinslaken vertreten sind, und dazu eingeladen, ihre Ideen und Schwerpunkte für die Entwicklung unseres Stadtteils zu beschreiben. In der Mail hieß es zum Lohberg-Check 2026: „Darin sind alle Parteien im Rat der Stadt Dinslaken aufgefordert, Ihre Pläne, Vorstellungen und Ideen für den Stadtteil vorzustellen.“

Die Antworten der Parteien

Eigentlich bis Ende März wollten wir für euch eine Zusammenfassung und Auswertung erstellen. Bitte entschuldigt, das hat nun doch deutlich länger gedauert. Dafür haben wir jetzt alle Antworten gelesen, sortiert und miteinander verglichen. Post erhalten haben wir – meistens mit, manchmal auch ohne echte Antworten – von CDU, Grünen, UBV, SPD, FDP, AfD, Die PARTEI und AWG. Nicht geantwortet hat auf unsere Anfrage Die Linke.

Im vergangenen Jahr standen vor allem sichtbare Themen ganz oben: Hünxer Straße, Marktplatz, Müll und Sauberkeit. 2026 hat sich der Schwerpunkt deutlich verschoben. Die Haushaltskrise liegt über allem, ist aber noch sehr abstrakt. Klar ist nur: Bald wird zu entscheiden sein, was im Rahmen der Haushaltssicherung überhaupt noch gehalten werden kann.

Ranking der Lohberger Themen 2026

Haushaltssicherung

8 Nennungen – 2025 eher Hintergrundrauschen, 2026 ist es das alles bestimmende Thema.

Jemand öffnet ein leeres Portemonnaie
Foto von Towfiqu barbhuiya auf Unsplash

Die SPD formuliert das besonders deutlich und stellt konkret bei BIZM-L, Bücherstube Lohberg und dem Stadtteilbüro die Frage, ob diese Angebote überhaupt gehalten werden können. Andere Parteien bleiben eher allgemein. Sie wollen lieber abwarten, bis sie sie wissen woran sie sind. Das Haushaltssicherungskonzept liegt derzeit beim Kreis Wesel zur Freigabe (30. Mai).

Auch CDU, FDP, Grüne, UBV, AfD, Die PARTEI und AWG beziehen sich auf die schwierige Finanzlage – mal als Warnung, mal als Einschränkung, mal als Aufforderung zu mehr Transparenz. Die Grünen sammeln ausdrücklich Ideen, die wenig kosten und trotzdem etwas bringen sollen. Die CDU will „über Jahrzehnte Gewachsenes“ nicht einfach zerstören. Die AfD stellt alle Ausgaben unter den Vorbehalt der Haushaltssicherung, nennt aber keine eigenen Schwerpunkte.

Denkmalschutz und Gestaltungssatzung

4 bis 5 Nennungen – 2025 Platz 5, jetzt deutlich weiter oben

Der Denkmalschutz hat im Vergleich zum Vorjahr spürbar an Gewicht gewonnen. 2025 nannten vor allem UBV und AWG das Thema. 2026 beschäftigen sich CDU, Grüne, UBV und AWG ausdrücklich damit. Die AfD forderte bereits zur Kommunalwahl eine deutliche Lockerung oder sogar Aufhebung des Denkmalschutzes.

Die CDU berichtet von einer Zuhörtour durch die Gartenstadt und von einer Arbeitsgruppe, in die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger einfließen sollen. Konkrete Vorschläge zur Neugestaltung der Satzung nennt sie allerdings nicht. Die Grünen wünschen sich eine Gestaltungssatzung, die Bewohnerinteressen, Denkmalschutz und Klimaschutz zusammenbringt. Das klingt schön – aber auch ein bisschen nach: einmal alles, bitte.

UBV und AWG werden konkreter. Die UBV verweist auf ihren Antrag zur Anpassung der Gestaltungssatzung an das novellierte Denkmalschutzgesetz NRW 2022. Die AWG erinnert daran, dass sie die neue Denkmalsatzung abgelehnt hat, bewertet den Arbeitskreis aber positiv. Dessen erste Sitzung im Frühjahr 2026 blieb allerdings ergebnislos. Die Stadt kündigte lediglich an, gegen Verstöße vorgehen zu wollen. Derzeit sieht es eher nach Stillstand aus, bis auf die UBV hat sich keine Partei erkennbar für Erleichterungen eingesetzt.

Verkehr: Hünxer Straße, Raser, Fahrradstraße, Parken

4 Nennungen – 2025 noch auf Platz 1

2025 war die Hünxer Straße gemeinsam mit Verkehrsberuhigung das Top-Thema: fünf Nennungen, Platz 1. Auch 2026 bleibt der Verkehr wichtig, aber er teilt sich die Bühne jetzt mit Haushalt, Denkmalschutz und sozialen Angeboten.

Grüne, UBV, AWG und Die PARTEI greifen die Hünxer Straße wieder auf. Die Grünen setzen weiter auf Tempo 40, mehr Kontrollen und zusätzlich auf eine Fahrradstraße auf der Lohbergstraße zwischen Sohlenstraße und Dorotheenstraße. Die UBV erinnert daran, dass ihr Antrag zu Tempo 30 beziehungsweise Tempo 40 bereits 2024 beschlossen wurde, aber immer noch nicht umgesetzt ist. Notfalls will sie prüfen, ob eine Dienstaufsichtsbeschwerde hilft.

Die PARTEI begleitet den „historischen Prozess“ weiter mit satirisch hochgezogener Augenbraue und will der Verwaltung notfalls per Rauchzeichen Dampf machen. Die AWG ist beim Tempolimit deutlich skeptischer und sieht wegen Landesstraße, L4n und Nordtangente keine schnelle Lösung. Dafür wird sie beim Parken rund um den Markt konkreter: Ein Prüfauftrag soll klären, ob ein Straßenabschnitt an Markttagen für Autos gesperrt werden kann.

Auffällig: Die SPD nennt die Hünxer Straße diesmal nicht als eigenes Thema. Im Vorjahr war sie hier deutlich konkreter unterwegs.

4. Marktplatz und öffentlicher Raum

5 Nennungen – 2025 Platz 2, weiterhin stark

Der Marktplatz bleibt politischer Lieblingsort und Problemzone zugleich. 2025 war „Marktplatz stärken“ mit fünf Nennungen auf Platz 2. 2026 bleibt das Thema ähnlich stark – nur anders sortiert. Es geht nicht mehr nur um Belebung, sondern auch um Toiletten, Parken, Grün, Wochenmarkt und Begegnung.

Die CDU verweist auf Wahlkampfstände am Johannesplatz und die Bedeutung des Samstagsmarktes. Offen bleibt, ob daraus auch Ideen zur Stärkung des Wochenmarkts entstehen. Die AWG nimmt die Toilettenanlage in den Blick und sagt ziemlich treffend: Für einen lebendigen Markt braucht es Infrastruktur, die man auch benutzen möchte.

Die Grünen wollen Behindertenparkplätze am Markt besser schützen und Stofftaschen auf dem Wochenmarkt verteilen. Die UBV wünscht sich mehr blühende Stauden rund um den Marktplatz und mehr Pflege des Straßenbegleitgrüns. Die PARTEI hätte gerne wieder ein niedrigschwelliges Mitmachformat wie den Tag der Demokratie.

Der Marktplatz bleibt also ein Ort, an dem sich vieles bündelt: Alltag, Handel, Verkehr, Begegnung, Toiletten, Blumen. Fehlt nur noch jemand, der alles zusammenführt. Und bezahlt. Kleiner Haken.

Bildung, Jugend, Soziales und Stadtteilbüro

4 Nennungen – 2025 nur 2 Nennungen, jetzt deutlich wichtiger

Soziale Angebote waren 2025 zwar Thema, aber noch nicht ganz vorne. Genannt wurden damals vor allem Jugend-OT und soziale Angebote, mit SPD und FDP als wichtigsten Stimmen. 2026 rückt dieser Bereich deutlich stärker in den Mittelpunkt – vor allem wegen der Haushaltskrise.

Die SPD fragt offen, ob BIZM-L, Bücherstube Lohberg und Büro Heimat Lohberg gehalten werden können. Die FDP positioniert sich ungewohnt sozial und sichert zu, sich für Bildung, Kita, Schulsozialarbeit, Sprachförderung, Jugend-OT, Begegnungsstätten, Stadtteilbüro, Jugend- und Seniorenarbeit starkj machen zu wollen. Auch die Grünen sprechen sich für den Erhalt der Stadtteilbibliothek aus. Die CDU bleibt wachsweich allgemein und will „gewachsene Strukturen nicht einfach zerstören“.

Das ist ein auffälliger Unterschied zum Vorjahr: 2025 ging es bei sozialen Angeboten noch eher um Stärkung und Ausbau. 2026 geht es um Sicherung. Das klingt nüchterner – ist aber wahrscheinlich näher an der Realität.

Begegnung, Demokratie und Austausch

5 Nennungen

2025 hieß dieser Punkt noch „Mehr Nähe zu den Menschen“ und kam auf drei Nennungen. 2026 ist das Thema breiter geworden. CDU, FDP, Grüne, Die PARTEI und AWG greifen Austausch, Begegnung oder Mitmachformate auf.

Bildergalerie vom Tag der Demokratie

Die PARTEI würde gerne wieder mit Torwand und niedrigschwelligen Formaten beim Tag der Demokratie dabei sein. Die AWG schlägt den 30. Juni vor, den 20. Jahrestag der Beendigung des Grubenbetriebs auf Lohberg/Osterfeld, als Anlass für eine neue gemeinsame Veranstaltung. Die CDU würdigt das Fastenbrechen in der Ditib-Moschee als Highlight. Die FDP zeigt sich offen für Gespräche mit Menschen, Vereinen und Gruppen. Die Grünen denken Begegnung auch ökologisch: Obstbäume, Beerensträucher und vielleicht ein Gemeinschaftshochbeet im Bergpark.

Schön ist: Der Tag der Demokratie hat offenbar Eindruck hinterlassen. Noch schöner wäre: Es finden sich wieder Menschen, die anpacken. Demokratie organisiert sich leider nicht von allein.

Sport und BSA Augustastraße

3 Nennungen

Sport tauchte 2025 nicht im Hauptranking auf. 2026 nennen SPD, Grüne und AWG das Thema ausdrücklich. Die SPD verweist auf eine mögliche Förderung der Bezirkssportanlage Augustastraße über das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (Der Dinslakener Antrag wurde mittlerweile abgelehnt). Die Grünen wollen die Interessen der Lohberger Sportvereine vertreten und die Entwicklung der BSA im Rahmen der Haushaltsmöglichkeiten unterstützen.

Die AWG wird mit Blick auf RWS Lohberg sehr konkret: Wegen fehlender Werbeflächen fehlten dem Verein wichtige Einnahmemöglichkeiten. Wenn sich nichts tut, will die AWG das Thema erneut auf die Tagesordnung setzen.

Müll, Sauberkeit, Ratten

2 Nennungen

Die UBV fordert einen Maßnahmenplan gegen Ratten und verweist darauf, dass Ratten bereits am helllichten Tag zu sehen seien. Die Stadtverwaltung bewertet die Lage offenbar anders, die UBV will aber dranbleiben. Die AWG reklamiert kleine, aber sichtbare Erfolge für sich: Glascontainer vor dem Schuleingang der GGS Lohberg wurden entfernt, ein problematischer Altkleidercontainer verlegt.

Klima, Grün und Grubenwasser

3 Nennungen

2025 tauchten ökologische Themen eher einzeln auf: Schutz vor Hitze, Trinkwasserspender, Grünpflege. 2026 greifen Grüne, UBV und AWG den Bereich wieder auf – mit sehr unterschiedlichen Ansätzen.

Die Grünen setzen auf Stofftaschen, Obstbäume, Beerensträucher, ein mögliches Gemeinschaftshochbeet und eine breitere Debatte über Grubenwasser. Außerdem fordern sie, dass beim Grubenwasser die besten Filtertechniken eingesetzt werden. Die UBV will mehr Pflege von Bäumen und Straßenbegleitgrün sowie blühende Stauden rund um den Marktplatz. Die AWG erinnert an ihren Antrag für Trinkwasserspender auf öffentlichen Plätzen, der wegen fehlender Finanzmittel wieder einkassiert wurde.

Auch hier grüßt der Haushalt. Selbst Trinkwasser kann in Dinslaken offenbar zu teuer werden. Muss man auch erst mal schaffen.

Weitere Themen

Bergbau sichtbar machen
Die UBV möchte den Kreisverkehr an der Hünxer Straße aufwerten und dort an die Bergbaugeschichte erinnern – etwa mit Seilscheibe, Lore oder einem anderen Symbol. Die AWG bringt den 20. Jahrestag der Beendigung des Grubenbetriebs als Anlass für eine Veranstaltung ins Spiel.

Grubenwasser
Die Grünen wollen eine breitere öffentliche Debatte über das Grubenwasser, das aus Lohberg in den Rhein gepumpt wird, und fordern den Einsatz der besten Filtertechniken.

AfD ohne eigene Schwerpunkte
Die AfD verweist auf andere Prioritäten und auf frühere Antworten aus der Kandidatenbefragung. Eigene Schwerpunkte für Lohberg 2026 nennt sie nicht, verlangt aber von den Lohberger Akteuren, Politik und Verwaltung ein eigenes Konzept vorzulegen, warum der Stadtteil weiterhin Unterstützung benötigt. Lohberg können keine Sonderstellung für sich beanspruchen.

Alles dokumentiert

Im Einzelnen sind die Antworten unter den folgenden Links dokumentiert:

>>Die CDU will „Gutes bewahren“

>>Elf Ideen der Grünen für den Stadtteil

>>UBV fordert Plan gegen Ratten

>>SPD mahnt Realismus an

>>Soziales steht bei der FDP ganz oben

>>Der AfD fällt zu Lohberg nichts (mehr) ein

>>Die PARTEI will notfalls Rauchzeichen senden

>>Die AWG setzt auf praktische Lösungen im Alltag

Bisher nicht geantwortet haben (Stand 30. Mai) 

Die Linke

Hinweis an alle Vertreterinnen und Vertreter der Parteien, die das hier lesen: Wir haben uns um eine faire Auswertung auf Basis der von euch eingereichten Antworten bemüht. Solltet ihr euch nicht treffend wiedergegeben sehen, etwas ergänzen oder geradeziehen wollen, seid ihr herzlich eingeladen, euch bei uns zu melden. Wir freuen uns immer über Input. Dazu gehören auch Gastbeiträge! Ihr erreicht uns unter info@lohberg-mittendrin.de!

Was tun die Parteien aus Dinslaken für Lohberg? Was sind ihre Pläne für 2026?

Alle bisher veröffentlichten Folgen unserer Serie findet ihr >>hier unter dem Schlagwort „Lohberg-Check 2026“