

Weißt du noch, wie es früher in Lohberg aussah? Mach dich bereit für eine faszinierende Zeitreise! Wo einst Staub und Kohle den Alltag bestimmten, blüht heute ein bunter Stadtteil. Auf unserem Fotospaziergang vergleichen wir historische Bilder aus Lohberg mit dem heutigen Straßenbild. Entdecke gemeinsam mit dem lokalen Blick von Schriftsteller Jens E. Gelbhaar, der von 1987 bis 1999 in Lohberg lebte, verborgene Ecken, Kult-Büdchen und den rauen, echten Charme der alten und neuen Zechensiedlung Lohberg.
Vom Schmuddel-Image zum Szene-Viertel
„Noch in den 70er und 80er Jahren hatte Lohberg einen Ruf, der war so schlecht wie Helmut Kohls Kommunionskuchen“, erinnert sich Jens lachend zu Beginn unseres Spaziergangs. Woran lag das?
- Historisches Erbe: „Das hatte zwar nichts damit zu tun, dass in der vorindustriellen Zeit der Galgen von Dinslaken dort stand, wo heute die Lohberger Halde an Oberlohberg grenzt. Aber Tod und Verderben haben sicher eine Rolle gespielt bei Lohbergs schlechtem Image“, so der Autor.
- Ruhrkampf 1920: „In dem Jahr, als der Ruhrkrieg in der Gegend zwischen Wesel und Dinslaken besonders hart und unerbittlich tobte, war Lohberg eine Hochburg der Kommunisten“, erklärt Jens. „Die niederrheinische Bevölkerung war damals sicher zu Unrecht mehrheitlich der Meinung, in Lohberg lebten nur blutdurstige Verbrecher.“
Heute wissen wir: Von diesem düsteren Image klebt nur noch wenig an Jens’ Fotos. Lohberg ist bunt, vielfältig und voller Geschichte – ein Ort, an dem Kontraste direkt nebeneinander existieren. Einige spannende Ecken haben wir uns im direkten Vergleich beim Fotospaziergang durch den Stadtteil angeschaut.
Stationen unseres Fotospaziergangs: Lohberg damals und heute
Auf unserer Route durch die alte Zechensiedlung vergleichen wir Aufnahmen aus Zeiten, in denen Jens hier in Lohberg lebte, mit dem heutigen Stadtbild.
Hünxer Str. 286: Von der Kneipe zur Lounge


- Früher: „Das war in den 80ern eine leer stehende Kneipe vom ganz alten Schlag“, erinnert sich Jens beim Blick auf das ehemalige ‚Pfannkuchenhaus Rumpelstilzchen‘. „Ich weiß leider nichts Näheres darüber, außer dass die Mauern des Hauses damals gern für wildes Plakatieren herhalten mussten, hier beispielsweise als Werbung für die damals sehr beliebte ‚Barlo Auto Rodeo Show‘.“
- Heute: Hier befindet sich die moderne „Diamant Lounge“.
Hünxer Str. 281: Zeichen der Solidarität


- Früher: „Gegenüber fand ich 1986 noch beide Pfeiler zum Eingang des Grundstücks. Ich vermute, dass dieser Eingang zum dahinter liegenden Hof gehörte“, erzählt Jens und zeigt auf ein altes Foto.
- Heute: In diesem Hof schlägt das soziale Herz Dinslakens – hier hat die Dinslakener Tafel ihre Zentrale. Jens wird beim Vergleich nachdenklich: „Obwohl es mit dem Ruhrpott im Jahr 1986 schon stark bergab ging, hätte damals sicher niemand geglaubt, dass es eine Einrichtung wie die Tafel eines Tages würde geben müssen.“
Dinslakener Straße & Tenderingsweg: Industrie trifft Landwirtschaft


- Früher & Heute: Am anderen Ende Lohbergs, wo Hünxe beginnt, schoss Jens ein Foto vom Bauernhof. „Der scheint auch mehr als 40 Jahre später nahezu unverändert zu sein. Die direkte Nachbarschaft von Industrie und Landwirtschaft tritt in Lohberg besonders deutlich auf und verleiht dem Dorf einen ganz eigenen Charme.“
- Der Schwarze Weg: Unweit des Hofes beginnt der Schwarze Weg zu den Baggerseen. Jens schmunzelt: „Diese waren damals noch unter Bewirtschaftung der Kiesindustrie und ich gehörte zu den wenigen Leuten, die dort im Sommer badeten. Ganz ohne Eintritt, ohne DLRG – und ohne Badehose.“
Kult-Fassaden von Lohberg


- Früher & Heute: „Das Gebäude mit der Arkade steht an der Lohberger Kohlenstraße und sieht, vom Zustand seiner Fassade abgesehen, noch heute so aus wie 1986“, stellt Jens fest.
- Institution: Das Gleiche gilt für Ilhans Imbiß. „Der wurde zwar mittlerweile erweitert, aber ansonsten zum Glück keinem modischen Chichi angepasst“, freut sich der Autor. Ein echtes Stück Lohberger Integrations- und Esskultur.


Haldenstraße: Das Kind und der Drache

- Früher: „Die kleine Skulptur von dem Kind, das in die Höhe blickt, stand einmal an der Haldenstraße, gegenüber der evangelischen Kirche“, erinnert sich Jens beim Fotovergleich. „Bei genauerem Hinsehen ist erkennbar, dass auf dem Sockel das abgebildet ist, was das Kind oberhalb im Himmel sieht: ein Drachen.“
- Heute: Anstelle der Skulptur steht hier heute ein Wohnhaus. Das Kunstwerk, so klärt uns Jens auf, „hat ein neues Zuhause gefunden auf der Königstraße im Duisburger Stadtteil Alt-Walsum.“
Die Blaue Bude: Das Tor zur Zeche


- Früher: „Wo heute Lohbergs ‚Blaue Bude‘ steht, befand sich früher ein ähnlicher Holzkiosk direkt an der Mauer der Zeche“, erzählt Jens zu seiner Aufnahme. „Als ich das Foto schoss, verkaufte die Bude noch Bierchen, Eis und Kippen.“ Er kennt noch die Legenden: „Zu einer Zeit, als noch die Straßenbahn der DVG bis zum Eingang des Bergwerks fuhr, sollen sich hier die Bergleute mit Kaffee und heißen Würstchen ausgestattet haben. Ich habe dergleichen nie gesehen. 1986 kamen die Kumpel nicht mehr mit Bus und Bahn. Der Parkplatz der Zeche dagegen war immer voll.“
- Heute: Die Blaue Bude ist ein strahlend blaues Denkmal und war offizieller Anlaufpunkt beim „Tag der Trinkhallen“. Ein Symbol der Dinslakener Kumpel-Kultur, heute Treffpunkt, Kommunikations- und Veranstaltungsort.
Hünxer Straße 349: Versteckte Kunst


- Früher & Heute: Über dem Eingang thront ein Sgraffito (Kratzbild) mit drei Musikern.
- Der Künstler: Jens zeigt auf ein kleines Detail: „Das Kürzel KH links unten steht für Karl Heiduck, einen Künstler aus Wesel-Lippedorf. Der schuf auch das Wandgemälde im Lohnsaal der Zeche Lohberg.“ Es zeigt das Triumvirat des Potts: Stahlkocher, Bergmann und Bauer. Ein Geheimtipp von Jens: „Man findet diese Motive übrigens auch bleiverglast in der gläsernen Fassade des Sitzungssaals im Rathaus Dinslaken, gleich im Erdgeschoss.“
Ein Schild als Spiegelbild am Lohberger Markt


- Früher: Jens zieht ein Bild von 1987 hervor, darauf ein Hinweisschild („Stadt Dinslaken, Jugendamt / Sozialer Dienst“) neben der gerade erst geschlossenen Grundschule. „Es könnte auf das miese Image verweisen, das Lohberg schon damals nicht verdiente.“
- Heute: In der ehemaligen Grundschule befindet sich das Theater Halbe Treppe, das Jens und seiner Co-Autorin Mart Wolff nach ihrer Lesung zu ihrem Regional-Thriller „PATRIDIOTEN“ in guter Erinnerung geblieben ist.
Lohberg lebt von seinen Geschichten
Der Strukturwandel vom aktiven Pütt zum Naherholungsgebiet Bergpark ist in vollem Gange, ohne dass das Viertel seine Seele verliert. Jens‘ Resümee unseres Fotospaziergangs lautet daher treffend: „Wer genau hinsieht, wird feststellen, dass Lohberg mehr grüne, charmante, liebenswerte Seiten hat als schäbige.“
Jetzt bist du dran! Welche Erinnerungen verbindest du mit den 70er oder 80er Jahren in Lohberg? Teile deine Geschichten und Fotos gerne mit uns!
Fotos & Texte: Jens E. Gelbhaar & Christine Heidemann-Bruns