
Lohberg ist mehr als Kohle, Stahl und harte Arbeit unter Tage. Hinter der Kulisse der „Männerdomäne“ Zeche verbirgt sich eine faszinierende Frauengeschichte voller Widerstandskraft und Solidarität. Zum Weltfrauentag 2026 holen wir vier außergewöhnliche Persönlichkeiten und Gruppen aus dem Schatten des Förderturms. Sie sind echte Zeitzeuginnen des Wandels, politische Pionierinnen und sportliche Idole. Lernt die Frauen kennen, die unser Viertel zusammengehalten haben.
Deshalb feiern wir am 8. März: Der Weltfrauentag entstand im Kampf um das Wahlrecht für Frauen und bessere Arbeitsbedingungen. Heute ist er weltweit ein Tag, um Errungenschaften der Gleichberechtigung zu feiern und auf noch bestehende Ungerechtigkeiten hinzuweisen.
1. Meta Dümmen – Die „soziale Mutter“ von Lohberg

Wenn man über starke Frauen in Dinslaken spricht, fällt ein Name fast immer zuerst: Meta Dümmen. Sie verkörpert wie keine Zweite das soziale Gewissen unseres Stadtteils. Geboren 1914 als Meta Steinhoff, kannte sie das Leben in der Kolonie aus erster Hand. Fleiß und Mobilität prägten sie früh: Nach der Schulzeit ging sie „in Stellung“ und arbeitete ein Jahr lang in Holland.
Ihr Engagement ist in Dinslaken bis heute spürbar:
- Politik mit Herz und Humor: Über 30 Jahre saß sie für die SPD im Stadtrat. Dort war sie so geschätzt, dass man eine Straße im Neubaugebiet Bruch spontan „Metastraße“ nannte, als sie einmal verspätet und außer Atem in eine Sitzung platzte.
- Pragmatismus statt Dogma: Obwohl sie als Pionierin galt, hielt sie wenig von der Frauenquote. Ihr Credo war: „Eine tüchtige Frau braucht keine Quote. Sie überzeugt durch ihre Arbeit“. Einmal stimmte sie im Bauausschuss sogar versehentlich dem Abriss ihres eigenen Hauses zu, weil sie so vertieft in ihre Unterlagen war – zum Glück passten ihre Ratskollegen auf!
- Hilfe zur Selbsthilfe: Sie organisierte Nähstuben und verteilte Care-Pakete. Als langjährige Vorsitzende der AWO Dinslaken initiierte sie den Bau von Kindergärten und die Einführung von „Essen auf Rädern“.
- Familienmanagerin ohne Führerschein: Trotz ihrer Auszeichnungen, wie dem Bundesverdienstkreuz, blieb sie bodenständig. Da sie selbst kein Auto fuhr, ließen es sich ihre Söhne nicht nehmen, sie zu offiziellen Terminen zu chauffieren – während Meta darauf achtete, dass zu Hause trotz Ehrenamt immer ein warmes Essen auf dem Tisch stand.

Meta Dümmen verstarb 2003 im Alter von fast 90 Jahren. Heute erinnert nicht nur eine Gedenktafel, sondern auch das nach ihr benannte Meta-Dümmen-Haus an der Schlossstraße an diese unvergessene „Feministin der Tat“.
2. Sophie Fröhlich – Widerstandskraft gegen das Unrecht

Sophie Fröhlichs Geschichte ist ein Lehrstück über Mut in dunkelster Zeit. Während viele wegsahen, leistete sie während der NS-Diktatur aktiven Widerstand.
Gemeinsam mit anderen versteckte sie eine Druckerpresse – teilweise riskant in einem Brunnen verborgen –, um Flugblätter gegen die Nazis zu vervielfältigen. Auch jüdischen Mitbürgern bot sie Unterschlupf und riskierte dabei ihr eigenes Leben.
Unvergessen in der spannenden Geschichte von Dinslaken Lohberg ist eine Anekdote, die ihre Furchtlosigkeit beweist:
Als Sophie Fröhlich Lebensmittelmarken beim Amt beantragen wollte, verlangte der Beamte den Hitlergruß. Wochenlang verweigerte sie ihn und ging leer aus. Als die Not zu groß wurde, ging sie erneut hin, riss den Arm nach oben und rief dem verdutzten Beamten entgegen: „So hoch liegt die Scheiße in Deutschland!“ Die Marken bekam sie trotzdem – ihre Vehemenz hatte den Beamten schlichtweg eingeschüchtert.
Nach dem Krieg setzte sie ihr Engagement im Dinslakener Rat fort. Ihr Vorbild wirkte: Auch ihre Tochter Hilde Fröhlich wurde 1946 eine der ersten Ratsfrauen der Stadt.

3. Maria Sander-Domagala – Die schnellste Frau Lohbergs

Sie war keine Politikerin, aber ein absolutes Idol ihrer Zeit: Maria Sander-Domagala, liebevoll „Hürden-Maria“ genannt. In den 1950er Jahren, als Frauensport oft noch belächelt wurde, rannte sie der Konkurrenz davon.
Ihr größter Triumph waren die Olympischen Spiele 1952 in Helsinki:
- 🥈 Silber mit der 4×100-Meter-Staffel
- 🥉 Bronze über 80 Meter Hürden
Der Name „Domagala“ steht dabei stellvertretend für viele Einwandererfamilien im Revier. Maria zeigte der Welt, dass Frauen physisch stark, ehrgeizig und international erfolgreich sein können. Als erste Frau überhaupt wurde sie mit dem renommierten Rudolf-Harbig-Preis geehrt. Ein echtes sportliches Vorbild für Generationen von Mädchen. Vielleicht bist du sogar schonmal den Maria-Sander-Domagala-Weg in Dinslaken langgelaufen?
4. Die stillen Heldinnen: Schwester Itha & die Frauen der Kolonie
Geschichte wird nicht nur von Einzelnen geschrieben. Oft sind es Kollektive, die das Überleben sichern.
- Schwester Itha und das Marienheim: 1921 kamen die „Dienerinnen des Heiligen Geistes“ nach Lohberg. In der rauen Umgebung des Bergbaus schufen sie mit dem Marienheim einen geschützten Raum. Mit Nähschulen und Kindergärten förderten sie die Bildung und Unabhängigkeit von Mädchen und Frauen – ein früher Beitrag zur Emanzipation im Alltag.
- Die Frauen der Märzunruhen 1923: Bei den blutigen Kämpfen in Lohberg waren Frauen nicht nur passive Opfer. Historikerinnen wie Erika Woock haben aufgezeigt, dass sie an vorderster Front standen, um ihre Familien zu schützen, Verletzte zu versorgen und den Zusammenhalt zu organisieren – oft unter Einsatz ihres Lebens.
Und wer ist deine Heldin?

Zum Weltfrauentag wollen wir nicht nur in die Vergangenheit schauen, sondern auch ins Hier und Jetzt. Welche Frau feierst du am Weltfrauentag, weil sie dein Vorbild oder deine Heldin ist? Ist es deine Oma, deine beste Freundin oder eine Kollegin?
Lass es uns wissen! Schreib uns und schicke uns gerne ein Bild auf Instagram: 👉 @lohbergmittendrin
Ich danke dem Stadtarchiv Dinslaken und dem Frauengeschichtskreis Dinslaken für die Unterstützung bei diesem Artikel.