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Vier Lohberger Ratsleute berichten regelmäßig, was sie aktuell in der Kommunalpolitik für Dinslaken und Lohberg umtreibt. Diesmal erzählt Vanesa, warum sie nach den ersten Monaten Kommunalpolitik mit anderen Augen sieht und was sie unterschätzt hat.

Von Vanesa Muharremi

Als ich im Dezember meinen ersten Beitrag für diesen Blog geschrieben habe, war ich noch ziemlich neu im Stadtrat. Damals ging es vor allem um meine Erwartungen und darum, wie ich meine Arbeit für Lohberg gestalten möchte. Inzwischen sind ein paar Monate vergangen und ich habe einen deutlich besseren Eindruck davon, was Ratsarbeit tatsächlich bedeutet.

Politik beginnt vor der Abstimmung

Was mich dabei wahrscheinlich am meisten überrascht hat, ist, wie viel Politik passiert, bevor überhaupt eine Abstimmung im Rat stattfindet. Man bekommt Vorlagen, liest sich in Themen ein, diskutiert in der Fraktion, spricht mit anderen und versucht, sich zu den unterschiedlichsten Fragen eine Meinung zu bilden. Und manchmal stellt man dabei auch fest, dass die einfache Antwort, die man sich bei einem Thema zunächst vorgestellt hat, gar nicht so einfach ist.

Gerade bei den Themen, die Lohberg betreffen, ist mir das aufgefallen.

In den vergangenen Monaten ging es unter anderem um die weitere Entwicklung des Stadtteils, die Sportanlage, die Zechensiedlung und verschiedene Angebote im Bereich Bildung und Stadtteilarbeit. Dabei habe ich gemerkt, wie unterschiedlich die Perspektiven auf solche Themen sein können.

Konkrete Projekte für Lohberg

Ein gutes Beispiel ist für mich das BIZM-L. Das Bildungs- und Innovationszentrum Marien-Lohberg gibt es bereits seit 2016 an der GGS Lohberg. Im vergangenen Jahr hat sich auch der Rat mit der Frage beschäftigt, wie das Projekt weitergeführt werden kann. Gerade deshalb finde ich es wichtig, dass wir uns als SPD-Fraktion dafür eingesetzt haben, das BIZM-L langfristig zu sichern. Der Antrag auf dauerhafte Verstetigung war für mich ein gutes Beispiel dafür, wie konkrete politische Arbeit für Lohberg aussehen kann.

Ähnlich ist es bei der Sportanlage Lohberg. Natürlich wünsche ich mir eine gute und moderne Sportanlage für unseren Stadtteil. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass hinter einer solchen Entscheidung viele Fragen stehen: Welche Maßnahmen sind notwendig? Welche Kosten entstehen? Welche Fördermöglichkeiten gibt es? Und was ist angesichts der finanziellen Situation der Stadt überhaupt realistisch?

Gerade bei solchen Projekten wird deutlich, dass politische Entscheidungen häufig aus vielen einzelnen Bausteinen bestehen. Es geht nicht nur um die Frage, was man sich wünscht, sondern auch darum, wie sich ein Vorhaben konkret umsetzen lässt.

Stadtteilentwicklung mit vielen Bausteinen

Und dann ist da natürlich die Frage, wie es mit der Stadtteilentwicklung insgesamt weitergeht. In Lohberg ist in den vergangenen Jahren viel passiert. Jetzt müssen wir uns auch damit beschäftigen, wie wir diese Entwicklung langfristig weiterführen können und was aus den bestehenden Strukturen und Erfahrungen wird.

Dabei merke ich immer wieder, dass Ratsarbeit nicht nur aus den großen politischen Fragen besteht. Viele Entscheidungen sind ziemlich konkret und manchmal auch kompliziert. Genau das hatte ich vor der Wahl wahrscheinlich unterschätzt.

Unsere Autoren/innen aus dem Rat: Julia Schlimmerei, Susanne Gülzau, Vanesa Muharremi und Remzi Ugur (v.l.)

Was mich dabei manchmal auch frustriert, ist, wie viel Zeit manche politischen Prozesse brauchen können. Wenn man ein Thema aus dem eigenen Stadtteil kennt und weiß, dass etwas verbessert werden müsste, möchte man natürlich am liebsten direkt loslegen. In der Realität braucht es aber häufig Gespräche, Abstimmungen und eine genaue Prüfung der verschiedenen Möglichkeiten.

Ratsarbeit braucht Geduld

Das kann manchmal ernüchternd sein.

Gleichzeitig habe ich dadurch gelernt, dass man einen langen Atem braucht. Nicht jede Veränderung passiert innerhalb einer Sitzung. Manchmal muss man ein Thema mehrfach ansprechen, Gespräche führen und gemeinsam nach einer Lösung suchen.

Und genau darin liegt für mich inzwischen ein großer Teil von Ratsarbeit.

Offen bleiben für andere Argumente

Ich finde es wichtig, dass man nicht nur eine feste Meinung mit in den Rat bringt, sondern sich auch mit den Argumenten der anderen auseinandersetzt. Das heißt nicht, dass man seine Überzeugungen aufgeben muss. Aber man sollte bereit sein, die eigene Sichtweise zu hinterfragen, wenn neue Informationen dazukommen.

Nach ein paar Monaten im Stadtrat habe ich deshalb nicht das Gefühl, schon alles zu wissen. Eher das Gegenteil.

Ich habe inzwischen einen besseren Eindruck davon, wie Kommunalpolitik funktioniert – und gleichzeitig gemerkt, wie viel es noch zu lernen gibt.

Stück für Stück

Was sich aber nicht verändert hat, ist mein Anspruch, mich gerade bei den Themen einzubringen, die Lohberg betreffen. Ich möchte dabei nicht nur auf die großen Projekte schauen, sondern auch auf die vielen Entscheidungen, die vielleicht weniger sichtbar sind, aber langfristig beeinflussen, wie sich unser Stadtteil entwickelt.

Denn genau dort findet Kommunalpolitik statt.

Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus meinen ersten Monaten: Man verändert einen Stadtteil nicht mit einer einzelnen Entscheidung. Man verändert ihn Stück für Stück – und manchmal bedeutet das vor allem, dranzubleiben.

Mittendrin im Rat

Wir finden es einfach großartig und feiern Vanesa, Remzi, Susanne und Julia dafür: Die vier brennen nicht nur für die Demokratie, sondern wollen in der Kommunalpolitik mitgestalten, wie die Zukunft von Dinslaken und Lohberg aussieht.

Regelmäßig erzählen sie seit der Kommunalwahl im Jahr 2025 auf Mittendrin , was ihnen gerade wichtig ist, was sie in der Politik aktuell umtreibt, was die Sache schwierig macht und wie man sich dennoch einbringen kann. .

Sicher ist: Die vier werden viel zu berichten und zu erklären haben. Längst ist klar: An allen Ecken und Enden fehlt das Geld und es wird (weitere) schmerzhafte Einschnitte geben.

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