Wenn Kadir Taskin bei einem Spiel von Rot-Weiss Lohberg fotografiert, ist er mittendrin. „Kreisliga ist das Schönste“, sagt er und grinst. Vielleicht, weil hier alles noch echter ist. Und ein echter Kontrast zu dem, was der Profi-Fotograf am Wochenende sonst mit viel Herzblut an Bildern einfängt: Oft fängt er dann die ganz besonderen Momente auf Hochzeiten ein.

Seine Fotos machen im Verein schnell die Runde. Wenn er die Spieler darauf hinweist, geht es ab in der WhatsApp-Gruppe der Mannschaft. Für Kadir sind das besondere Momente. Kennengelernt haben wir ihn, als er bei unserem Foto-Wettbewerb um das Lohberg-Foto des Jahres ein Selfie eingereicht hat, das ihn beim Mannschaftsshooting von Rot-Weiss zeigt.
Ein paar Wochen später sitzen wir zusammen in Talip’s Restaurant. Tee auf dem Tisch, Laptop aufgeklappt. Kadir klickt durch seine Bilder: Fußball, Hochzeiten, Landschaften. Immer wieder bleibt er kurz stehen, erzählt eine kleine Geschichte zu einem Foto. Man merkt schnell: Die Kamera gehört für ihn fest zu seinem Leben.
Harte Arbeit
45 Jahre ist er alt. Aufgewachsen in der Türkei, 2008 kam er nach Deutschland, um hier ein neues Leben mit Familie aufzubauen. Fotografiert hat er schon vorher. Nach der Ankunft musste die Leidenschaft jedoch erst einmal warten. Sprache lernen, Geld verdienen, ankommen – das stand im Vordergrund. Er arbeitete unter anderem als Industriereiniger oder im Lager bei Amazon.
Wenige Jahre später kam die Fotografie zurück in sein Leben. „Ab 2012, 2013 fing das wieder an“, erzählt er. Anfangs nebenbei, dann immer häufiger. Immer öfter hat ihn jemand als Fotograf empfohlen. Hochzeiten wurden zu seinem wichtigsten Feld. 2017 wagte er schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit.
Hanuta und Haarspray dabei
Inzwischen ist er viel unterwegs, vor allem am Wochenende, oft von morgens bis spät in den Abend. Besonders zwischen März und Juni, wenn das Wetter mitspielt, ist Hochzeitssaison. Während der Sommerferien wird es meist ruhiger, danach folgen noch einmal einige Termine, bevor die Nachfrage im Winter zurückgeht.
Bei Hochzeiten geht es ihm nicht nur um schöne Bilder, sondern um die Atmosphäre. „Wenn die Stimmung passt, ergibt sich der Rest von alleine.“ Deshalb hat er in seiner Fototasche nicht nur Kamera und Objektive, sondern auch Haarspray – und manchmal Schokoriegel. Für den Fall, dass bei all dem Trubel jemand merkt, dass er den ganzen Tag noch nichts gegessen hat. Ein schneller Energiekick, den es für ein paar gute Fotos nun braucht.
Humor und Lockerheit
Manchmal braucht es auch ein wenig Humor oder ein beruhigendes Wort. Lockerheit, sagt er, ist wichtig. Wenn Paare sehr gestresst sind und die Fotos darunter leiden, schlägt er auch schon mal vor, das Shooting später noch einmal zu wiederholen – und das, ohne zusätzliches Geld zu verlangen. Lieber in Ruhe, lieber ohne Stress, vielleicht an einem besonderen Ort, vielleicht bei Sonnenuntergang.
An einem Hochzeitstag entstehen schnell 1500 Fotos oder mehr. Danach beginnt die zweite Hälfte der Arbeit: sichten, auswählen, bearbeiten. Das dauert oft fast genauso lange wie das Fotografieren selbst.
Zwischendurch zieht es Kadir aber immer wieder raus in die Natur. Landschaftsfotografie mag er sehr, auch wenn dafür im Alltag nicht immer genug Zeit bleibt. Und natürlich der Fußball.
Lohberg ist mehr als ein Ort
Lohberg ist für ihn mehr als nur ein Ort zum Fotografieren. „Hier fühle ich mich wohl“, sagt er. Wenn er von den Spielen von Rot-Weiss erzählt, merkt man, dass er gern dabei ist – nah dran am Geschehen, nah dran an den Menschen. Mittendrin.
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