
Am 17. September 2026 war das BIZM-L Elterncafé an der Gemeinschaftsgrundschule Lohberg gut besucht. Das große Interesse zeigte deutlich, wie sehr das Thema Autismus und ADHS die Familien in unserem Stadtteil bewegt.
Das Bildungsinnovationszentrum Marien – Lohberg (BIZM-L) vom Caritasverband Dinslaken und Wesel an der GGS fungiert als wichtiges Bindeglied im Quartier, um Familien im Schulalltag zu unterstützen. Mit regelmäßigen Angeboten wie dem Elterncafé schafft es einen geschützten Raum für niederschwellige Beratung, gemeinsame Lösungsansätze und den direkten Austausch zwischen Eltern und Fachkräften.
Zu Gast war in dieser Woche der systemische Familientherapeut Malte Itjeshorst. Unter dem Motto „Jedes Kind tickt anders – Autismus im Alltag von Familie und Schule“ gab er wertvolle Einblicke in die Lebenswelt neurodivergenter Kinder. Er erklärte anschaulich, dass autistische Kinder Reize aus ihrer Umwelt oft viel intensiver wahrnehmen und verarbeiten. Ein sogenannter „Meltdown“ (Reizüberflutung) ist daher keine erzieherische Provokation, sondern ein neurologischer Kontrollverlust. Statt die Kinder „verbiegen“ zu wollen, helfe es im Alltag viel mehr, klare Strukturen zu schaffen, visuelle Hilfen (wie Wochenpläne) zu nutzen und reizarme Rückzugsorte anzubieten.
Autismus in Deutschland (Zahlen & Fakten)
Hinweis: Der Bundesverband autismus Deutschland e.V. gilt als die wichtigste und unabhängigste Dachorganisation in Deutschland. Da es kein zentrales staatliches Register gibt, stützen sich Verband und Wissenschaft auf repräsentative Kassen- und Befragungsdaten.
- 1 % der Gesamtbevölkerung: Der Bundesverband geht von einer Prävalenz von etwa 1 % aus. Das entspricht rund 840.000 Menschen in Deutschland im Autismus-Spektrum.
- Trend bei Kindern & Jugendlichen: Eine Datenanalyse der hkk Krankenkasse zeigt, dass bei den 0- bis 24-Jährigen im Jahr 2026 erstmals die Marke von 1,0 % mit einer Autismus-Diagnose erreicht wurde (2022 lag der Wert noch bei 0,8 %).
- Schulsystem: Die Zahl der registrierten Schülerinnen und Schüler mit Autismus-Diagnose hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre verdoppelt (Recherche des Investigativ-Netzwerks CORRECTIV).
- Warum steigen die Zahlen? Fachleute betonen: Autismus nimmt nicht real zu. Der Anstieg liegt an genaueren Diagnoseverfahren, einer höheren Sensibilität bei Lehrkräften und Ärzten sowie einer verlässlicheren Erfassung von Mädchen und Frauen, die früher oft übersehen wurden.
Die vielen Fragen der Eltern und der rege Austausch, für den sich Herr Itjeshorst im Anschluss viel Zeit nahm, machten klar: Eltern brauchen verlässliche Netzwerke.
Lokale Anlaufstelle für Familien
Wer im Raum Lohberg und Dinslaken weitere Unterstützung sucht, muss den Weg nicht allein gehen:
- Das Kompetenzzentrum Autismus (KompASS) der Lebenshilfe Unterer Niederrhein in Wesel hilft.
- Ebenso das Zentrum für Autismus-Spektrum-Störungen oder das
- Sozialpädiatrisches Zentrum in Dinslaken.