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„Ist es immer noch so schlimm in Lohberg?“ Solche Fragen bringen Sarah Friedrich auf die Palme. Nach dem Start unserer Serie über Vorurteile meldete sie sich spontan – und ließ dem Ärger freien Lauf.

Ein Gastbeitrag von Sarah Friedrich

Sarah meldete sich über Facebook in der Redaktion.

“Ist es immer noch so schlimm in Lohberg?“ – diese Frage wird mir oft gestellt. Egal ob Handwerker, Vertreter an der Tür oder Besuch von außerhalb. Das nicht allzu positive Bild von diesem Stadtteil sitzt fest in den Köpfen vieler Menschen. Aber wieso eigentlich? Was macht Lohberg gefährlicher als andere Teile des Niederrheins? Ich möchte euch berichten, welche Erfahrungen ich sammeln durfte und wie der persönliche Bezug zustande gekommen ist.

Noch nie habe ich mich bedroht gefühlt. Ganz im Gegenteil: Ich erinnere mich daran, wie ich als Kind alleine von der Schule aus zu meiner Oma ging, meine auf mich wartende Mutter eingesammelt habe und wir zusammen nach Hause gelaufen sind. Ab und zu durfte ich nach
Förster, um mir ein Kinderheft zu kaufen, oder Sticker für mein Panini-Album.

Man kannte sich untereinander

Die Bücherei war damals der ständige Anlaufpunkt für meine große Schwester und mich. Videokassetten wie „Elliot das Schmunzelmonster“ oder “Balto“ wurden regelmäßig von uns ausgeliehen – und
selbstverständlich wieder zurück gebracht!

Im früheren Supermarkt ‚Plus‘ bekam ich an der Kasse immer Kaubonbons geschenkt. Bei Lopi’s Grill gab es die beste Curryfrikadelle und der Spielplatz bei meiner Oma wurde ebenfalls regelmäßig von mir besucht, und man musste sich nie Sorgen darum machen, dass mir jemand
etwas Böses wollte. Man kannte sich untereinander und der Großteil der Freundschaften die sich damals ergeben haben, hält bis heute.

Matschbrötchen bei Änne Becher

Auch meine Eltern sind in Lohberg aufgewachsen. Sie berichten von ‚Hülsemann‘, ein Tante Emma-Lädchen. Es wurde durch ‚Förster‘ abgelöst. Bei Änne Becher gab es Matschbrötchen und direkt daneben war ein Schuster ansässig. Die Flipperautomaten in Pommesbuden waren
ebenfalls ein beliebter Treffpunkt. Das Highlight der Jugend war der Beatkeller – dort haben sich Freundschaften und lange Bekanntschaften geschlossen und der Zusammenhalt war einzigartig.

Gezeigt hat sich der Zusammenhalt durch gemeinsames Kohleschöpfen im Keller – für die Kohleöfen in den Wohnungen. Mein Vater erzählt von einer sehr heimischen Atmosphäre. In den Hinterhöfen wurde Fußball mit den Nachbarn und Freunden gespielt und man hat sich untereinander schon immer wohl gefühlt. Spontane Besuche waren keine Seltenheit und man hat zusammen gegessen, gespielt oder einfach die Zeit miteinander verbracht. Keine Spur von Hass und Kriminalität.

Mit- statt nebeneinander

Meinem Vater sagte ich, dass ich gerne zu dieser Zeit hier aufgewachsen
wäre. Seine Antwort war: “Wir haben es erlebt!“ Heute ist es kaum anders. Neben den schönen Erinnerungen sammelt man neue Eindrücke. Die Herzlichkeit ist noch immer da, wo sie vor 40 Jahren schon war.

Man sieht alte Gesichter, man grüßt sich noch immer freundlich wenn man sich sieht. Weil man die Kindheit und Jugend miteinander verbrachte wenn man in Lohberg gewohnt hat. Und genau dieses miteinander statt nebeneinander bewährt sich bis heute. Generationen wachsen zusammen auf, erleben viele neue Dinge, die sie irgendwann selbst ihren Kindern mit einem Lächeln im Gesicht erzählen können.

Lohberg ist keineswegs ein Stadtteil in dem man sich nicht vor die Türe wagen darf. Hier werden Menschlichkeit und ein liebevoller Umgang groß geschrieben, weil jeder ein Teil vom großen Zuhause ist.


Was denkt Ihr über Lohberg?

Habt Ihr auch Lust, etwas auf Mittendrin zu veröffentlichen? Ihr seid herzlich eingeladen! Am besten einfach mal Kontakt aufnehmen. Ihr erreicht uns unter info@lohberg-mittendrin.de

Vorurteile über Lohberg im Check

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