Mittendrin-Interview im Rathaus mit dem Bürgermeister: Wir haben mit Simon Panke über seinen Bezug zu Lohberg gesprochen, aber auch die Zukunft des Stadtteils in Zeiten gähnend leerer Kassen. Sicher ist: Es wird harte Einschnitte geben.

Im Lohberg-Check vor der Kommunalwahl sagten Sie, dass Sie mit Lohberg unter anderem die „Bude“ verbinden. Warum ausgerechnet Bude?
Panke Ach,für mich war die Bude einfach immer ein Ort, an dem man sich wohlfühlen konnte. Als Kind mal eben hin, ’ne gemischte Tüte geholt, das gehörte einfach dazu. Die Bude am Marktplatz ist für mich so ein richtiges Original. Das fühlt sich direkt nach Heimat an.
Viele kennen Sie aus der Zechenwerkstatt im Einsatz hinter der Theke der Popup-Kneipe „Zum Glück Auf“.
Panke Ich war schon vorher mal auf Veranstaltungen in der Zechenwerkstatt, aber richtig eingestiegen bin ich dann mit Zum Glück Auf. Das hat einfach Spaß gemacht, zusammen mit vielen engagierten Leuten, etwas auf die Beine zu stellen. Allerdings sehe ich gerade, dass es zeitlich für mich fast gar nicht mehr hinhaut – das ist echt schade.
Hinter Ihrem Schreibtisch hängt sogar ein Bild der Zechenwerkstatt. Das haben Sie extra für das Interview mit Mittendrin aufgehängt, oder?
Panke Nee (lacht). Das hat mir tatsächlich ein befreundeter Fotograf zum ersten Tag im Rathaus geschenkt. Und ich lieb’s!

Sie haben Bürgergespräche in den Stadtteilen angekündigt. Steht schon ein Termin für Lohberg?
Panke Das ist auf jeden Fall geplant, aber es ist gerade nicht so einfach. Eigentlich wollten wir ins Ledigenheim, aber dort können ja derzeit aus technischen Gründen keine Veranstaltungen stattfinden. Wir schauen mal, ob wir nicht in der Turnhalle der Grundschule unterkommen, mit Eurer Preisverleihung zum Lohbergfoto des Jahres hat das ja offenbar ganz gut geklappt.
Die Stadt muss in den kommenden Jahren gigantische Summen einsparen – was bedeutet das für Lohberg?
Panke Kurz gesagt: Wir dürfen im Moment keine neuen Verträge abschließen. Also keine neuen Baumaßnahmen, keine neuen Projekte. Alles, was läuft, kann fertiggemacht werden – da, wo schon Kräne stehen, drehen die sich weiter. Aber neue Sachen? Nur, wenn sie komplett durch Fördermittel finanziert werden.
Gibt’s trotzdem Chancen auf Verbesserungen?
Panke Die gibt es immer, wenn alle mit anpacken. Ein Hoffnungsschimmer für den Baubereich ist sicher die Sportmilliarde, wo wir Mittel für die Sanierung der Sportanlage an der Augustastraße beantragt haben. Da spielen inzwischen an die 30 Mannschaften von RWS und dem VfB, aber es fehlen Kabinen, Sanitäranlagen, ein Kunstrasenplatz. Ganz ohne städtischen Eigenanteil geht’s zwar nicht, aber wir sind guter Hoffnung. Allerdings ist die Konkurrenz beachtlich, an diesen Fördertopf wollen nicht nur wir ran, sondern wahrscheinlich so ziemlich alle Kommunen in Deutschland.

Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?
Panke Ich gehe davon aus, dass wir irgendwann rund um Ostern Bescheid bekommen, oder vielleicht ein kleines bisschen später.
Sind weitere Veränderungen in Lohberg in Sicht?
Panke Es geht wirklich nur noch was, wenn Förderprogramme 100 Prozent der Kosten übernehmen oder wir überzeugend nachweisen können, dass sich ein Projekt nach ein paar Jahren rechnet. Ansonsten: Acht Jahre Stillstand bei Neubauprojekten. Das wäre der schlimmste Fall, aber das ist leider auch realistisch. Aber: Investitionen müssen ja nicht immer nur durch die Stadt getätigt werden. Am Beispiel „Solarquartier“ sieht man ja, dass es auch andere Wege gibt, um den Stadtteil nach vorne zu bringen.
Die Kürzungen werden nicht den Bausektor treffen. Wie geht’s weiter mit dem BIZM‑L an der Grundschule, bislang finanziell ermöglicht durch die Stadt?
Panke Es hilft nichts, sich etwas vorzumachen. Das wird in den kommenden zwei Monaten verhandelt werden müssen, was da passiert und das wird hart sehr hart, weil die Finanzlage noch schlechter ist als erwartet. Statt 25 fehlen uns 50 Millionen im Jahr. Und dann muss man fragen: Was kann ich mit einem um 50 Millionen geschrumpften Haushalt überhaupt noch machen?
Im Lohberg-Check haben Sie gesagt, Sie würden sich für den Erhalt stark machen.
Panke Ja, dieses Programm ist unfassbar wertvoll. Es verbindet Kitas und Schule, ermöglicht Kindern gleichwertige Chancen und hilft auch den Eltern. Schaut euch die Ergebnisse der Evaluation an, die waren super. Ich hoffe, dass der Stadtrat, der am Ende das Sparpaket beschließt, anerkennt, wir wertvoll es ist, was das BIZM-L leistet. Gleichzeitig muss man sehen, dass wir sehr viele gute und berechtigte Anliegen in der Stadt haben. Das wird brutal schwierig. Wir stehen einfach vor ganz tiefen Einschnitten.

Was passiert mit dem Stadtteilbüro Heimat Lohberg?
Panke Aber um das ganz deutlich zu machen: An und für sich dürfen wir nur noch die Sachen machen, die zwingend notwendig sind, um den städtischen Kernbetrieb aufrechtzuerhalten. Und so bitter wie das ist, gehört das Stadtteilbüro erst mal nicht dazu. In zwei Monaten wissen wir mehr.
Und die Stadtteilbibliothek?
Panke: Da bin ich optimistischer, weil wir Spielräume haben zum Improvisieren. Wir überlegen, zusammen mit der Caritas den Bücherbestand ins Jugendzentrum zu bringen. Das hätte sogar Vorteile: längere Öffnungszeiten, mehr Zugänglichkeit, ein Grund mehr ins Jugendzentrum zu kommen. Am Ende würden alle davon profitieren.
Letzte Frage: War da nicht was mit Tempo 40? Was ist der Stand bei Tempo 40 in Lohberg?
Panke Ich weiß, auf der Hünxer Straße. Mich nervt das auch, dass es so lange dauert. Damals habe ich noch für die SPD-Fraktion den Antrag geschrieben, der in den Rat ging, zusammen mit dem ähnlichen Antrag der UBV. Die Sache liegt jetzt schon seit mehr als einem Jahr bei der zuständigen Landesbehörde straßen.nrw. Und die prüft und prüft. Das Thema kam zuletzt im Rat ja wieder auf. UBV und Die PARTEI hatten nachgefragt. Wir müssen nochmal Druck bei Straßen NRW machen.
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