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Auf einem Drittel der Fläche Mais anbauen – oder vielleicht Pfirsichbäume? Das kann in den Kleingärten in Lohberg jeder Pächter so halten, wie er will. Als der Verein 1949 gegründet wurde, pflanzten die Bergleute hier auch schon Obst und Gemüse an. Die 120 Parzellen dienten der selbst angepflanzten „Nahrungsergänzung“ und der täglichen Erholung von der Schicht auf der Zeche Lohberg. Heute würden die Pächter eher „experimentelle Hingucker“ pflanzen und nur bei Sonnenschein im Garten sein, erzählt der erste Vorsitzende Andreas Kirstein.

In den ersten Jahrzehnten ging es in der Kleingartenanlage am Fischerbusch fast familiär zu. „Man kannte sich von der Arbeit und aus der Nachbarschaft“, blickt Kirstein zurück, der selbst von 1983 bis 2001 als Bergmann in Lohberg gearbeitet hat. Erst unter Tage, dann raus ins Grüne, so war das damals. Denn ausschließlich „Kumpel“ konnten Vereinsmitglied werden. Da kam das gemeinsame Feiern nicht zu kurz.

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„Inzwischen gibt es bei uns nur noch vereinzelt Bergleute als Pächter“, erläutert Andreas Kirstein. „Eine 83-Jährige hat kürzlich ihre Parzelle abgegeben. Unsere neuesten Pächter stammen aus Syrien und dem Libanon.“ Menschen unterschiedlichster Nationalitäten nutzen die Anlage in einem harmonischen „Multi-Kulti“, unter anderem aus Russland und dem ehemaligen Jugoslawien, aus der Türkei sowieso. Die neueren Pächter, für die das Ausmaß an Bürokratie bis zur eigenen Parzelle ungewohnt sei, fügten sich klaglos in die „deutsche Ordnung“ mit ihren vorgeschriebenen Abläufen und Kontrollen ein, freut sich der Vereinsvorsitzende.  

Kirstein ist zufrieden mit dem harmonischen Miteinander, das jedoch heute eher ein Nebeneinander sei. Die Leute wollen hier mehr ihre Ruhe haben, als sich Gemeinschaftsaktivitäten zu widmen, berichtet Andreas Kirstein. Eine Sonderstellung haben aber die Kinder. Sie dürfen den ganzen Tag über herumrennen und -springen, wo sie wollen.

Früher war mehr Vereinsleben

Das Vereinsheim, vormals eine Kneipe, werde nur noch selten genutzt. „Unser Vereinsleben könnte besser sein“, bedauert Kirstein. Er selbst hat mit dem 2. Vorsitzenden, seinem Cousin, das zeitintensive Ehrenamt des 1. Vorsitzenden vor etwa drei Jahren übernommen. „Wegen Corona konnten wir da sowieso nichts zusammen machen“, erzählt er. „Unsere erste Veranstaltung war vor zwei Jahren an Halloween für die Kinder, mit Verkleidungen.“ In diesem Jahr soll es noch weitere Aktionen geben, zum Beispiel am Nikolaustag. Damit sich die Pächter besser kennenlernen.

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Die althergebrachte Einteilung 1/3 Nutzfläche, 1/3 Zierfläche und 1/3 Rasen ist in der Kleingartenanlage immer noch einzuhalten, aber die Gestaltung kann individuell sein. So wie bei dem Pächter, der jeden Tag Mais isst und seine Pflanzen hier als Selbstversorger zieht. Die Nachfrage nach Parzellen ist groß: „Wir haben um die 35 bis 40 Bewerber auf der Liste“, erzählt Kirstein. „Aber der Vorstand entscheidet anhand bestimmter Auswahlkriterien, wer eine Parzelle bekommt.“ Die Menschen sollen schließlich zusammenpassen. „Auch 18-Jährige fragen an und wollen gleich wissen, ob sie einen Pool in den Garten stellen können“, so Kirstein. Das sei eher nicht so das, was hier hinpasse. Auch wenn er sich freue, dass junge Menschen Interesse am Kleingarten hätten.    

Vor 1949 befand sich auf dem Gelände am Fischerbusch ein wohl sehr beliebtes Freibad. Aber in der Nachkriegszeit war die Möglichkeit, Nahrungsmittel anzubauen und sich von der Maloche auf Zeche zu erholen, wahrscheinlich wichtiger. Als die Zeche 2005 schließen musste, gab es am Fischerbusch bereits zahlreiche Kleingärtner, die ihr Geld anderswo verdienten. Die Gestaltung der Anlage erinnert aber heute noch an die Bergmannstradition.

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Das friedliche Leben im Grünen ist nicht immer ganz ungetrübt: Zwei Lauben sind mal abgebrannt, und Vandalismus gab es auch schon. Inzwischen wohnt dauerhaft ein Ehepaar in dem kleinen Haus, das zur Parzelle der Kirsteins gehört. Die beiden bekommen immer mit, was auf dem Gelände passiert, und übernehmen auch organisatorische Aufgaben.

Andreas Kirstein hat viel zu tun in seinem Ehrenamt: Der Vorstand trifft sich, Pächterwechsel wollen gemanagt sein, „und wir treffen uns mit anderen Vorsitzenden“, berichtet er. Die Anlage am Fischerbusch gehört zu einem Verband mit elf Gartenanlagen, unter anderem auch in Voerde. Da tauscht man sich gerne mal aus.