Überraschende Entscheidung zur Zukunft der Bücherstube Lohberg: Der Dinslakener Stadtrat hat am Dienstagabend mit knapper Mehrheit für einen Umzug in die Räume der Caritas gestimmt.

Dem Beschluss ging eine emotionale Diskussion voraus. Die Verwaltung hatte die Standorte Hauerstraße und Caritas zur Abstimmung gestellt und Kostenaufstellungen für die erforderlichen Renovierungen vorgelegt. Daraufhin beantragte die CDU, die Bücherstube zu schließen und ausschließlich die Stadtbücherei zu unterstützen. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Bei der anschließenden Abstimmung erhielt die Caritas-Variante eine knappe Mehrheit.
Dem Konzept nach wird die Bücherstube jetzt im Don-Bosco-Haus an der Lohbergstraße unterkommen. Als Plus für diese Variante wurde in der Diskussion angeführt, dass bei der Caritas eine fest angestellte Fachkraft verlässlich zur Verfügung stehen würde und ehrenamtliche Helfer so eine verlässliche als Anlaufstelle haben könnten.
Die Kosten dafür fielen bei weitem nicht so hoch aus, wie ursprünglich im Vorschlag der Verwaltung skizziert. SO schätzt die Caritas die jährlichen Kosten auf rund 40.000 Euro. Deutlich weniger als die ursprünglich von der Stadtverwaltung in den Raum gestellten 105.000 Euro. Für die ursprünglich vorgeschlagene Variante mit dem Umzug in die Hausmeisterwohnung an der Hauerstraße und einem durch das Ehrenamt getragenen Betrieb hatte die Stadt 12.000 Euro pro Jahr aufgerufen, hätte aber auf Mieteinnahmen verzichtet und eine umfassende Renovierung finanzieren müssen.
So wurde abgestimmt
Die Entscheidung fiel am Ende denkbar knapp aus. Die einfache Mehrheit reichte für einen Beschluss.
- Für die Variante A, den Umzug an die Hauerstraße stimmten AfD, Grüne, Linke und AWG mit insgesamt 16 Stimmen
- Für die Variante B mit dem Umzug zur Caritas stimmten mit Stimmen SPD, UBV, der fraktionslose Dieter Holthaus, und die PARTEI
- CDU und FDP lehnten mit ihren 12 Stimmen die Vorschläge ab
Vor der Ratsentscheidung hatte es Unstimmigkeiten und sogar Streit um die Kalkulation der Kosten gegeben. Caritas-Direktor Michael van Meerbeck übte öffentlich scharfe Kritik, dass die Verwaltung eine Berechnung über 105.000 Euro für einen Umzug in die Räume der Caritas aufgestellt hatte. Ein solches Angebot habe die Caritas nie abgegeben.
Auch der Vergleich der beiden Standorte warf Fragen auf: Für die Caritas-Lösung rechnete die Stadt mit einer bibliothekarischen Fachkraft, für die Hauerstraße dagegen nicht. Bürgermeister Simon Panke hatte daraufhin angekündigt, die Berechnung zu klären und das Gespräch mit der Caritas zu suchen.
Plan A verworfen
Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung einen ganz anderen Plan: Die Bücherstube sollte in das städtische Gebäude an der Hauerstraße 14 ziehen. Dort hätte sie deutlich weniger Platz, den Betrieb sollten größtenteils Ehrenamtliche übernehmen. Die Lösung mit der Caritas hatte die Verwaltung zunächst verworfen. Zu teuer, hieß es. Diese Einschätzung musste die Stadt dann aber relativieren.
Den Mietvertrag für die Räume im Ledigenheim hat die Stadt zum Jahresende gekündigt. Für den Erhalt der Bücherstube wurden mehr als 800 Unterschriften übergeben. Das Forum Lohberg wollte außerdem wissen: Welche Angebote bleiben erhalten, und wer kümmert sich künftig darum? Der Verein fordert einen gemeinsamen Plan für die Bildungs- und Sozialangebote in Lohberg.
Noch mehr sparen als befürchtet
Zum Kontext: In derselben Sitzung kündigte Bürgermeister Simon Panke ebenso überraschend weitere Sparmaßnahmen an. Dabei hatten Stadt und Politik doch gerade erst mit großer Mühe ein Haushaltssicherungskonzept auf die Beine gestellt.
Nun aber kommen auf Dinslaken offenbar zusätzliche finanzielle Belastungen zu, die deutlich über die bisherigen Annahmen hinausgehen. Als Gründe nannte Panke steigende Umlagen an den Kreis und den Landschaftsverband Rheinland sowie weiterhin hohe Sozialausgaben.
Die bereits beschlossenen Einsparungen werden laut Panke deshalb nicht ausreichen. Das Haushaltssicherungskonzept soll deswegen ausgeweitet werden. Zudem will die Stadt ab 2027 die Auftragsvergabe weiter einschränken. Wie groß die zusätzliche Haushaltslücke ist, wurde in der Sitzung noch nicht beziffert.
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