Seite wählen
Die Zechenwerkstatt in Lohberg
Foto: CHB

Am 1. Oktober 2026 hat Bürgermeister Simon Panke Politik, Verwaltung und die Freilicht AG in die Zechenwerkstatt Lohberg eingeladen. Das Ergebnis aus Sicht der Freilicht AG: ein einhelliges Bekenntnis der Dinslakener Politik zur Zechenwerkstatt. Jetzt kommt es darauf an, was daraus folgt.

Im Mai haben wir berichtet, dass die für die Sanierung eingeplanten Fördermittel weggefallen sind (zum Mai-Beitrag). Ende September hat auch die WDR-Lokalzeit darüber berichtet (zum WDR-Beitrag). Hier liest du, was sich seitdem getan hat, wie der Termin verlief und wie du die Zechenwerkstatt unterstützen kannst.

Was hat sich seit Mai getan?

Foto von Megs Harrison auf Unsplash

Das zentrale Spannungsfeld bleibt: Die Gebäudehülle muss dringend saniert werden, die Finanzierung ist aber nicht gesichert. Deshalb sollen Sanierung und Finanzierung jetzt parallel und aufeinander abgestimmt vorangetrieben werden.

  • Aktionärsversammlung der Freilicht AG im September 2026: Die Aktionär:innen gaben dem Team eine klare Botschaft mit: „Macht bitte weiter!“
  • Gespräche mit allen Ratsfraktionen: Vor dem Termin am 1. Oktober hat die Freilicht AG mit allen Fraktionen im Rat Gespräche geführt.
  • Neues statisches Gutachten: Ein Statiker hat das Mauerwerk der Außen- und Innenwände begutachtet.
  • Pilotsanierung: Ein regionales Bauunternehmen hat angeboten, zweieinhalb Felder der Außenfassade exemplarisch instand zu setzen.
  • Winterevents gesichert: Glühwerkstatt und Weihnachtsmarkt finden statt, alles Nötige wird dafür kurzfristig instand gesetzt. Der Weihnachtsmarkt läuft vom 4. bis 6. Dezember 2026.

Das Treffen am 1. Oktober in der Zechenwerkstatt

Von 17 bis 19 Uhr kam auf Einladung von Bürgermeister Simon Panke eine große Runde in der Zechenwerkstatt zusammen. Erstes Ziel war, alle Beteiligten auf denselben Stand zu bringen, etwa zum technischen Zustand der Halle innen und außen.

Eingeladen waren:

  • alle Fraktionen im Rat der Stadt Dinslaken sowie Vertreter:innen der Stadtverwaltung
  • Dezernentin Dr. Tagrid Yousef, Dezernent Dominik Bulinski und Kämmerer Achim Thomae
  • Dr. Hartmut Weddige und Klaus Otte aus dem Vorstand sowie Vertreter des Lenkungskreises der Freilicht AG

Außerdem anwesend waren:

  • Vertreter:innen der Albert-Schweitzer-Einrichtungen, der Zechentöpferei, des Repair Cafés und der PropHalunken als Mieter:innen
  • ehrenamtliche Helfer:innen des Technik-Teams und der Pop-up-Kneipe „Zum Glück Auf“

Kurzum, so die Freilicht AG: „Menschen, die die Zechenwerkstatt mit Leben füllen.“ Eine Präsentation gab allen Anwesenden ein aktuelles Bild vom Zustand der Halle.

Ergebnis: einhelliges Bekenntnis der Politik

Am Ende des Treffens waren sich alle einig, dass der Erbpachtvertrag für die Zechenwerkstatt angesichts der aktuellen Lage schnell angepasst werden soll. Wie das genau aussehen soll, wollen Freilicht AG und Verwaltung jetzt schnellstmöglich gemeinsam klären und umsetzen.

Außerdem will die Stadt bei der Suche nach neuen Fördermitteln mit Fachwissen und Personal helfen.

Die Freilicht AG zieht ein positives Fazit, mahnt aber zugleich: „Wir hoffen, dass auf die Worte auch Taten folgen.“

Nächster Schritt: Ratsbeschluss voraussichtlich im Dezember

Die Mehrheitsfraktionen sollen einen gemeinsamen Antrag in den Stadtrat einbringen, mit dem sich die Stadt zur Zechenwerkstatt bekennt. Die Freilicht AG wünscht sich einen Beschluss, der die Unterstützung der Stadt besiegelt – ausdrücklich ohne finanzielle Zusage.

Ausblick: Was jetzt noch offen ist

Foto: CHB

Das Bekenntnis vom 1. Oktober ist ein wichtiges Signal. Ob es die Zechenwerkstatt rettet, hängt unter anderem an drei Fragen. Bürgermeister Simon Panke hat sich zu jeder geäußert:

Erbpachtvertrag: Wie schnell ist „schnell“?

Alle Beteiligten wollen den Vertrag zügig anpassen. Einen Zeitplan gibt es aber noch nicht, und öffentlich ist auch nicht bekannt, was sich konkret ändern soll. Geht es um einen niedrigeren oder vorübergehend ausgesetzten Erbbauzins, um die Verteilung der Pflichten für Instandhaltung und Verkehrssicherung oder um Fristen, die an den Fortschritt der Sanierung gekoppelt sind? Klar ist: Jeder Monat ohne Lösung bindet Geld und Kraft, die für das Dach fehlen.

„Die nächste Sitzungsfolge des Stadtrates beginnt im November, mit abschließender Ratssitzung am 15. Dezember. Das wäre dann der Zeitpunkt für die Beschlussfassung. Das Gespräch in der Zechenwerkstatt, mit Teilnahme von Freilicht AG, Vertreter/innen der Ratsfraktionen und Verwaltung hat bereits den Pfad aufgezeigt, die Erbpachtzinsen bis 2031 auszusetzen. Welche weiteren Themen gleich mit anzupacken sind, wird sich dann im Gespräch zeigen.“, so Panke.

Fördermittel: Welche Wege sind realistisch?

Dass die Stadt Fachwissen und Personal stellt, ist ein echter Fortschritt, denn Förderanträge sind aufwändig. Für Dach und Fassade kommen vor allem Programme für Denkmalpflege und Industriekultur infrage, etwa die Denkmalförderung des Landes NRW, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die NRW-Stiftung oder die RAG-Stiftung. Töpfe wie das Regionale Kulturprogramm NRW oder der Fonds Soziokultur fördern dagegen eher Programm und Projekte als die Gebäudehülle. Wahrscheinlich wird es nicht den einen großen Topf geben, sondern ein Mosaik aus mehreren. Der Haken: Viele Programme verlangen einen Eigenanteil, und genau daran ist die bisherige Förderung gescheitert. Wer diesen Anteil trägt, solange die Stadt im Haushaltssicherungskonzept steckt, ist die entscheidende Frage.

„Es bieten sich nach meinem Kenntnisstand vor allem Förderprogramme an, die sich auf den Denkmalschutz bzw. die Denkmalpflege beziehen. Aber die Stadt hält weiterhin die Augen auf, vielleicht ergeben sich ja auch zusätzliche Möglichkeiten.“, erklärt der Bürgermeister.

Ratsbeschluss: Was bringt ein Bekenntnis ohne Geld?

Ein Beschluss ohne finanzielle Zusage klingt zunächst nach Symbolpolitik. Er kann aber durchaus etwas bewirken: Er gibt der Verwaltung einen klaren Auftrag, den Erbpachtvertrag anzupassen und Personal für Förderanträge bereitzustellen. Und er ist ein starkes Argument gegenüber Stiftungen und Fördergebern, die vor einer Zusage sehen wollen, dass die Stadt hinter dem Projekt steht. Entscheidend wird sein, wie verbindlich der Antrag formuliert ist: mit Zuständigkeiten und Fristen oder als allgemeine Willensbekundung.

„Wenn der Rat eine Ruhendstellung der Erbpachtzahlungen für die Dauer von 2026 bis 2031 beschließt, wäre dies ja eine klare finanzielle Zusage. Insofern würden den Worten schon durch diesen Schritt auch Taten folgen.“, meint Panke.

So kannst du die Zechenwerkstatt unterstützen

Die Zechenwerkstatt lebt davon, dass Bürger:innen sie selbst tragen. Drei Wege, wie du helfen kannst:

Mitmachen. Ob Aufbau, Theke, Technik, Repair-Café, Töpferei oder Bauen und Werken: Die Teams freuen sich über jede helfende Hand. Ein guter Einstieg ist das Treffen des Veranstaltungsteams am Mittwoch, 7. Oktober, um 19 Uhr in der Halle. Alle Infos unter Mitmachen.

Veranstaltungen besuchen. Jeder Besuch bringt Geld in die Kasse und zeigt, dass die Halle gebraucht wird. Die nächsten Termine:

  • Zechentöpferei: jeden Montag, offen für alle
  • Repair-Café: Mittwoch, 4. November, und Mittwoch, 2. Dezember, jeweils 15 bis 19 Uhr
  • Weihnachtsmarkt: 4. bis 6. Dezember 2026, Eintritt frei
  • Glühwerkstatt: Termine folgen

Alle aktuellen Termine findest du unter zechenwerkstatt.de/termine.

Anmieten. Die Zechenwerkstatt bietet rund 2.400 m² Industriekulisse für Firmenfeiern, Konzerte, Märkte, Fotoshootings und Drehs. Jede Vermietung finanziert den Erhalt direkt mit. Die Infrastruktur ist bewusst einfach: Baustrom, drei Wasseranschlüsse, zwei Theken, keine Heizung. Anfragen an info@zechenwerkstatt.de, Details unter Vermietung.